| Leibniz war kein Butterkeks |
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| Sonntag, 24. April 2011 |
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Gibt es Gott, ein Leben nach dem Tod und warum macht Sex Spaß, Sterben aber nicht? Sollten wir auf eigene Leistungen stolz, außerdem stets vernünftig und toleranter sein? Diesen und anderen Fragen über das Leben und die Kunst des Lebens, über die grundsätzlichen Fragen und Zusammenhänge unseres Daseins philosophieren Vater und Tochter auf unterhaltsame Weise. Dabei kommen die großen Philosophen genauso zu Wort wie die kleinen Alltagsbelange, die sich vielfach als große Daseinsfragen entpuppen. So erläutert Michael Schmidt-Salomon drei Strategien für das persönliche Glück: Hedonismus, Selbstverwirklichung und das Engagement für eine größere Sache. Jeder Leser wird seinen eigenen Gewinn beim Nachdenken über das Gelesene ziehen und sei es, bei der Klärung von Begriffen. Dazu gehört neben der Trias Toleranz – Akzeptanz – Respekt auch Achtsamkeit, also „ganz im Hier und Jetzt zu sein, die Fülle des Augenblicks zu erfahren, sich selbst und sein Umfeld in voller Bewusstheit zu erleben.“ Zugleich kommen auch die Fortgeschrittenen Philosophie-Liebhaber auf ihre Kosten, etwa wenn bei dem sokratischen Dialog von vernünftig sein, Schiller gegen Kant ins Feld geführt wird. Der große Freiheitsdichter kritisierte in der kantschen Moralphilosophie die Härte, mit der die Idee der Pflicht vorgetragen wird. Gegen eine derartige Tyrannei der Vernunft über die Triebe, habe Schiller ein harmonisches Miteinander von „Sittlichkeit“ und „Sinnlichkeit“ gesetzt, kommentiert der Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung. Der „Butterkeks“ ist in vieler Munde – zu recht. Selten wird Philosophie, genauer evolutionärer Humanismus, so unterhaltsam und bedenkenswert vermittelt. Das Vater-Tochter-Experiment ist geglückt. Klassisch Liberale werden der konsequenten Haltung Schmidt-Salomons im Karikaturenstreit viel abgewinnen können, aber den Gerechtigkeitsbegriff und die präzisierbaren Bemerkungen zur Weltwirtschaft nicht akzeptieren. Gläubige Menschen werden sogar mit den Überlegungen des säkularen Humanisten hadern, in vielleicht ins Fegefeuer schicken wollen. Zugleich bietet die vielleicht als sozial-liberal etikettierbare Philosophie viel gemeinsamen Grund: „Wird das Individuum erfolgreich mit dem Glauben geimpft, dass es sich den Verhältnissen unterwerfen muss, wird es dies auch tun. Der Glaube an die Ohnmacht des Individuums macht es tatsächlich ohnmächtig und verhindert, dass es die Gestaltungsräume nutzt, die ihm prinzipiell offenstehen könnten.“ Michael von Prollius |






Michael Schmidt-Salomon und Lea Salomon: Leibniz war kein Butterkeks. Den großen Philosophen und kleinen Fragen der Philosophie auf der Spur, Pendo Verlag, München, Zürich 2011, 288 S., 17,95 Euro.