| Paradebeispiel politischen Versagens: der Irakkrieg |
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| Geschrieben von: mvp |
| Sonntag, 13. Februar 2011 |
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Stephan Bierlings Geschichte des Irakkriegs hat von Rezensenten viel Zuspruch bekommen. Tatsächlich handelt es sich um eine beispielhafte politikhistorische Analyse: flüssig in der Argumentation, differenziert und geradlinig in der Analyse, facettenreich auch durch die Verschränkung verschiedener Ebenen: von der strategischen, internationalen Dimension bis zur Motivation und dem Vorgehen namhafter Protagonisten. Der Irakkrieg ist nach der Einschätzung des Regensburger Politologen weder als „das weltpolitische Fiasko“ noch als „der Schlüssel zur Lösung der Konflikte im Mittleren Osten und zur Demokratisierung der arabischen Welt“. Allerdings erscheint der Irakkrieg als ein Paradebeispiel für die Inkompetenz von Regierungen und die folgenschwere Differenz zwischen Absicht und Resultaten ihres Handelns. Gruppendenken und eine kumulative Radikalisierung eines politischen Entwicklungsprozesses, der von schlichten, emotionsgeladenen Motiven einer kleinen „Clique“ von Regierungsmitgliedern angetrieben wurde, darunter Präsident George W. Bush, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice und Vizepräsident Richard Cheney. Die Kriegsgründe lassen sich in Rahmenbedingungen und Ziele gliedern. Zu den Rahmenbedingungen gehören eine dünne, einseitig selektierte und instrumentalisierte Informationsbasis, die Fehlkalkulationen der politischen Führung der USA wie des Irak, das Versagen der Medien als Kontrollinstanz und eine zur Selbsttäuschung führende US-Propaganda. Als zentralen Kriegsgrund im Sinne eines Ziels führt Stephan Bierling den Wunsch Bushs und seiner Berater an, „durch eine Demonstration der eigenen Macht ein Exempel zu statuieren und nach den Anschlägen vom 11. September das Risikokalkül aller potentiellen Feinde der USA zu verändern“. Hingegen wurde der Irakkrieg weder durch die Neokonservativen verursacht noch maßgeblich für Israel, Öl oder Militärbasen geführt. Die Kriegsbilanz fällt verheerend aus: Mehr als 100.000 Tote Zivilisten, ca. 2 Billionen US-Dollar Kosten, zudem die Schwächung der amerikanischen Stellung in der Welt, ein an den Zielen gemessen kontraproduktiver Eingriff in die Region und das Schüren von Antiamerikanismus. Immerhin wurde ein Diktator gestürzt und beseitigt, die US-Staatsführung erwies sich als (doch noch) lernfähig – George W. Bush warf in letzter Minute das Ruder herum – und das Horrorszenario eines weithin destabilisierten Mittleren Ostens blieb aus. Was bleibt? Der Schluss liegt nahe, dass wie so oft die wirtschaftliche Lage, genauer die Entwicklung der sozio-ökonomischen Situation einen Schlüssel für die Stabilität eines Landes darstellt. Damit ist zugleich der Bogen zu den einzelnen Menschen geschlagen, die bei großen politischen Gestaltungsversuchen zur Verfügungsmasse verkommen. Zugleich belegt der Irakkrieg die Erkenntnis von Lord Acton: Macht korrumpiert ... Michael von Prollius |






Stephan Bierling: Geschichte des Irakkriegs. Der Sturz Saddams und Amerikas Albtraum im Mittleren Osten, Verlag C. H. Beck, München 2010, 253 S., 12,95 Euro.