Gegen die Schein-Liberalen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: mvp   
Mittwoch, 05. Januar 2011

Armin Mohler: Gegen die Liberalen, Edition Antaios kaplaken 21, Schnellroda 2010, 80 S., 8,00 Euro.

Der scharfzüngige Publizist Armin Mohler (1920-2003), u.a. Sekretär von Ernst Jünger, gilt manchem Konservativen als derjenige, der mit seiner Schrift „Gegen die Liberalen“ eine „fulminante Liberalenbeschimpfung“ vorgelegt und die Unhaltbarkeit liberaler Positionen nachgewiesen haben soll.

Tatsächlich ist „Gegen die Liberalen“ eine streckenweise recht passable Polemik. Sie richtet sich gegen die übermäßig verbreitete Spezies der Bindestrich-Liberalen, welche regelmäßig allenfalls Lifestyle-Liberale sind, tatsächlich aber eher liberal getarnte Sozialdemokraten. Insofern hat Armin Mohler recht, wenn er konstatiert: „Zum einen scheitert der Liberalismus als gesellschaftlicher Gesamtentwurf täglich stets aufs neue, da reicht ein Blick aus dem Fenster.“ Unrecht hat er aber, wenn er das Scheitern dem Liberalismus anlastet. Was mit einer freien Gesellschaft passiert, wenn Scheinliberale sich an liberalen Prinzipien vergehen, kann jedermann aktuell etwa in der bundesdeutschen Politik beobachten.

Konsequente Liberale werden an den Vorwürfen, die Armin Mohler äußert, leider wenig Erhellendes finden.

  1. Die These, eine liberale Gesellschaft zehre von konservativen Werten, sitzt dem verbreiteten Vorurteil auf, eine liberale Ordnung sei werte- und traditionslos.
  2. Der Vorwurf, Liberale seien wirklichkeitsfremd, hat den argumentativen Charme eines „Das haben wir schon immer so gemacht!“. Bekanntlich sind die Utopien von heute die Realitäten von morgen.
  3. Albern wird es, wenn Armin Mohler argumentiert, „das Individuum gibt es gar nicht. Es ist eine Erfindung“. Diese Utopie konnten nicht einmal die Nationalsozialisten, geschweige denn die Sozialisten in Moskau verwirklichen.
  4. Treffend ist die Reduktion des Liberalismus auf eine bloße Absichtserklärung durch einen Menschenschlag, der sich allerdings lediglich selbst liberal nennt, ohne es zu sein.
  5. Die immer wieder behauptete mangelhafte Verwurzelung des Liberalismus in Deutschland hat Ralph Raico mit seinem glänzenden Studie „Die Partei der Freiheit“ als Wunschdenken entlarvt.
  6. Die ständige Wiederholung, wir würden in einer liberalen Gesellschaft leben, ist angesichts der allgegenwärtigen Dominanz sozialdemokratischer Politiker, Korrektheit und Pseudogerechtigkeit nicht mehr als ein Zerrbild.
  7. Mangels belastbarer Argumente flüchtet Armin Mohler schließlich in kontra-faktische Schmähungen, etwa wenn Liberale mit „Erregung von Ekel“ und „Egalitarismus“ eine Kulturrevolution angezettelt haben sollen.

Die Feststellung, das liberale Feindbild seien die Konservativen, macht deutlich, dass Armin Mohler die Grundsätze einer Ordnung der Freiheit nicht verstanden oder aber nicht zum Gegenstand seiner Schrift „Gegen die Liberalen“ gemacht hat. Das gleicht insofern dem berühmten Schuss ins Knie als Martin Lichtmesz im Nachwort treffend bemerkt, „heute ist der Linke von Liberalen kaum mehr zu unterscheiden und umgekehrt.“

Was bleibt nach der Lektüre zurück? Die Erinnerung an einen „großen“ Konservativen, dessen letzte Worte lauteten: „Es ist alles so langweilig.“ Gemeint ist natürlich Churchill.

Michael von Prollius

 
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