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Wiener Schule / Österreichische Schule der Ökonomik PDF Drucken E-Mail
Sonntag, 26. September 2010

Eugen Maria Schulak und Herbert Unterköfler: Die Wiener Schule der Nationalökonomie. Eine Geschichte ihrer Ideen, Vertreter und Institutionen, Verlag der Provinz edition seidengasse, Weitra 2009, 250 Seiten, 24,00 Euro.

Drei Determinanten unterscheiden Österreichische Ökonomik und Neoklasik: hier zweckgerichtetes Handeln, individuelle Präferenzen und dynamische Prozesse – dort Optimierungsverhalten, fixe Präferenzen und statisches Gleichgewicht. Diese und eine Fülle weiterer Erkenntnisse bietet die sehr lesenswerte, vorwiegend ideengeschichtlich ausgerichtete Darstellung der Wiener oder Österreichischen Schule der Ökonomik.

Verfasst haben sie Eugen Maria Schulak, Philosoph, Psychologe und Historiker, der zugleich eine philosophische Praxis in Wien betreibt, und Herbert Unterköfler, Jurist, Ökonom und Historiker, der geschäftsführendes Mitglied in einer Unternehmensberatung. Die beiden Absolventen der Universität Wien füllen eine Lücke, denn bislang fehlte eine umfassende, aber konzise und gut lesbare Darstellung des Netzwerkes herausragender Ökonomen und Sozialphilosophen, das mit dem Gründervater Carl Menger als Schule der Nationalökonomie bezeichnet wird. Nun liegt ein solcher Überblick als Standardwerk vor.

Der Schwerpunkt liegt auf den Vertretern und ihren Ideen. Zusammen mit Skizzen einer Vielzahl bisher wenig bekannter Vertreter aus der zweiten Reihe bzw. dem Umfeld der Schule ist ein Standardwerk entstanden. Der Leser erhält zudem prägnante Erläuterungen zur Praxeologie – der  Lehre von der Logik des Handelns – sowie zur österreichischen Kapital- und Zinstheorie. Hayeks Gesellschaftsmodell und die frühen, schlagenden Argumente gegen die Arbeitswertlehre sind genauso enthalten wie gleich zu Beginn eine anschauliche Schilderung Wiens zur Gründerzeit. Ein Muss für Einsteiger und Fortgeschrittene!

Für letztere ist die beschriebene Korrumpierung die Österreicher durch ihre weitreichende Mitarbeit in der Staatsverwaltung nach Mengers Rückzug, während des Ersten Weltkriegs und in der Übergangswirtschaft lesenswert. Eine zeitlose Mahnung für Anhänger der Österreichischen Ökonomik bleiben Prinzipientreue und Kenntlichmachen der Unterschiede zum Mainstream im – allerdings nichts überheblichen – Wissen um die Überlegenheit einiger eigener Erkenntnisse.

Michael von Prollius

 
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