Startseite Zum Mitnehmen Bibliothek Für Sie gelesen Krankes Geld, kranke Welt (G. Hochreiter)
Krankes Geld, kranke Welt (G. Hochreiter) PDF Drucken E-Mail
Sonntag, 11. April 2010

Gregor Hochreiter: Krankes Geld, kranke Welt. Analyse und Therapie der globalen Depression. Mit einem Vorwort von Roland Baader, Resch Verlag, Gräfelfing 2010, 264 S. 19,90 EUR.
Ein krankes Geldsystem und eine zum Teil daraus resultierende verfehlte Lebenseinstellung haben die aktuelle globale Depression verursacht und gefördert, die überwiegend als Weltwirtschaftskrise oder internationale Finanz(markt)krise bezeichnet wird. Wir lassen uns durch eine Illusion ungedeckter Papiergeldscheine täuschen – das staatliche, auf Kredit- und Schulden beruhende Geld hat das vom Markt kommende gedeckte Warengeld ersetzt. Zugleich unterminiert der „Inflationierungsprozess .. schleichend die für den materiellen wie immateriellen Wohlstandsaufbau unumgänglichen Sekundärtugenden der Sparsamkeit, Aufrichtigkeit und Eigenverantwortlichkeit.“ Die bislang genannten Erkenntnisse bilden den Kern der ganzheitlichen Analyse des Wiener Ökonomen Gregor Hochreiter, die er allgemein verständlich und mit großer Überzeugungskraft vornimmt. Seine Diagnose und Therapie der globalen Depression ist die bisher beste Darstellung zu diesem Thema.

Wie ist das möglich? Gregor Hochreiter gehört zu den Gründern des Instituts für Wertewirtschaft in Wien, das eine Perle eigenständiger Erkenntnissuche und unabhängiger Wissensvermittlung ist. Zusammen mit Rahim Taghizadegan und Eugen Maria Schulak führt er die Tradition der Wiener oder Österreichischen Schule der Nationalökonomie ökonomisch und philosophisch fort. Der Resch Verlag wiederum ist unter Kennern eine namhafte Adresse für gehaltvolle Studien von Querdenkern, bietet er doch mit der Buchreihe „Politik, Recht, Wirtschaft und Gesellschaft“ ausgewählten Autoren ein Forum, die tatsächlich etwas zu sagen haben. Das Ergebnis ist Populärwissenschaft im besten Sinne, getragen von einem liberal-konservativem Fundament.

Gregor Hochreiter zeigt in vier Kapiteln wie unterhaltsam eine theoretische Auseinandersetzung mit der Wirtschaftskrise sein kann. Das Buch lässt sich am Stück durchlesen. Als vorteilhaft erweist sich der Einstieg über einige Grundbegriffe wie etwa das Geld und seine Entstehung, den Unterschied von Inflation und Teuerung oder die fundamentale Bedeutung des Sparens und die koordinierende Rolle des Zinses. Ausgestattet mit dem von ihm vermittelten Handwerkszeug, das weit über trockene Begriffsdefinitionen hinausgeht, sollte es leicht fallen, im zweiten Kapitel die „Theorie der wirtschaftlichen Verwerfungen“ zu verstehen. Die österreichische Konjunkturtheorie zeigt, dass eine krisenfreie wirtschaftliche Entwicklung nicht nur möglich, sondern geradezu naturnotwendig wäre, wenn nicht die Geldillusion des unbegrenzt vermehrbaren gesetzlichen Zahlungsmittels künstlich einen Boomblase nach der anderen entfachen würde, die früher oder später platzen muss. Die Analysen von drei historischen Wirtschaftskrisen (1873, 1929 und 1990) illustrieren die Auffassung des Autors anschaulich. Umso befremdlicher wirkt im Gegensatz dazu die aktuelle Wirtschaftspolitik, die mit aller Macht versucht, den Schein aufrecht zu erhalten, indem die Strukturprobleme als vermeintliche Kreditklemme gedeutet werden, die durch Drucken immer neuen Geldes überwunden werden soll. Insofern erstaunt es nicht, dass bisher noch jedes Papiergeld sein Ende in einer Hyperinflation gefunden hat.

Das dritte Kapitel greift die Weltwirtschaftskrise von 1929 zwecks einer ausführlicheren Untersuchung noch einmal auf und zeigt, wie die Politik des New Deal aus einer scharfen (Bereinigungs-)Rezession eine mehr als zehn jährige verheerende Große Depression gemacht hat.
Gregor Hochreiter beschränkt sich indes nicht auf die Analyse, sondern wagt mit drei Szenarien Mustervoraussagen für die weitere Entwicklung der aktuellen Krise: Da der Großteil der Bevölkerung nicht genug Widerstandskraft aufbringt, lauten die ersten beiden Szenarien „Wohlfühl“-Totalitarismus eines Versorgungs- und Zuteilungsstaates oder schleichender Abstieg  bis zur Hyperinflation. Für beide Entwicklungen erhält der Leser einige allgemeine Ratschläge, auf welche Weise er auf sie reagieren sollte. Das dritte Szenario, die Kehrtwende als Aufbruch in die Realität, lässt erst nach dem Durchschreiten einer „Horrorkrise“ günstige Perspektiven erkennen, die dann aber aufgrund einer veränderten Lebenshaltung auch nachhaltig wären. Der Untertitel des Buches weist bereits darauf hin, welches Szenario besonders wahrscheinlich ist. An dieser Stelle wären ausführlichere Darlegungen einer werteorientierten Lebensweise wünschenswert, aber das kann und sollte Gegenstand eines separaten Bandes sein.

„Wohlstand ist das Resultat harten, persönlichen und in Generationen denkenden Tätigseins“ und weder durch das Glücksspiel an der Börse noch durch das Pyramidenspiel der Staatsanleihen erreichbar. Angesichts eines spürbaren epochalen Wandels, lohnt es sich, die eigene Lebensführung im Hinblick auf langfristige Ziele auszurichten und Muße anzustreben. Das gleichermaßen unprätentiös formulierte und außergewöhnlich gehaltvolle Buch von Gregor Hochreiter gibt dazu eine wertvolle theoretische Hilfestellung und jede Menge Anlass zum Nachdenken. Für thematische Neulinge ist es ein guter Einstieg in wirtschaftstheoretische Zusamenhänge, für Fortgeschrittene eine lesenswerte Zusammenfassung. Das Buch wird in den ordnungsökonomischen Kanon von Forum Ordnungspolitik aufgenommen.

Michael von Prollius

 
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