| Neu aufgelegt: Jenseits von Angebot und Nachfrage (W. Röpke) |
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Wilhelm Röpke: Jenseits von Angebot und Nachfrage. Ein Klassiker der Sozialen Marktwirtschaft, Nachdruck der 1958 erschienenen 1. Auflage, Verlagsanstalt Handwerk GmbH, Düsseldorf 2009, 368 S., 19,80 EUR. Die Zeit ist reif für Querdenker mit Substanz, prinzipientreue Mahner und Kritiker. Auf die Gründerväter der Sozialen Marktwirtschaft treffen diese Charakterisierungen allesamt zu. Mitten in die sozialistische Brandung stellten sie mutig ihre Fundamente einer neu zu begründenden Civitas humana: die per se soziale Marktwirtschaft als Teil einer umfassenderen, menschengemäßen Sozialordnung. Die Zeit ist reif für liberale Klassiker, die uns so viel Grundlegendes zur Wirtschafts- und Finanzkrise zu sagen haben. Das gilt für ihre Ursachen genauso wie für die Einordnung in den Gesamtzusammenhang einer aus dem Ruder laufenden Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung. Insofern ist es ein Glücksfall, dass die Verlagsanstalt Handwerk die Rechte für eine Neuauflage von Wilhem Röpkes „Jenseits von Angebot und Nachfrage“ erhalten hat, noch dazu da der Röpke-Biograph Hans Jörg Hennecke eine sehr lesenswerte Einführung beigesteuert hat. Wilhelm Röpke hat in seinem letzten, 1958 erschienenen Buch eine über das Ökonomische hinausreichende Kritik der modernen Massengesellschaft und des Wohlfahrtsstaates verfasst. Seine leidenschaftlich-vehemente Diagnose einer geistig-moralisch kompaßlos gewordenen Industrie- und Massengesellschaft zeigt zugleich Voraussetzungen und Grenzen der Marktwirtschaft auf, in deren Mittelpunkt der Mensch steht und nicht Kollektive, organisierte Sonder- oder Staatsinteressen: „Je größer das Unheil ist, das in unserer Zeit durch die 'soziale Technik' des Sozialismus, d.h. durch Planwirtschaft, Sozialisierung Erschütterung des Eigentums und umfassenden Wohlfahrtsstaat angerichtet worden ist, ... um so entschiedener muß das Bekenntnis gegen die sozialistische und für die liberale Art der wirtschaftlichen Ordnung ausfallen.“ In fünf Kapiteln analysiert der glänzende Publizist nach einer zeitgenössischen Bestandsaufnahme zunächst die moderne Massengesellschaft sowie die Voraussetzungen und Grenzen des Marktes, dann den Zusammenhang zwischen Wohlfahrtsstaat und chronischer Inflation sowie die nicht nur in europäischer Perspektive ungemein aktuellen Alternativen Zentrismus und Dezentrismus. Dieses letzte Kapitel endet mit einem Abschnitt, der mit „Rechnung ohne den Menschen“ betitelt ist. Dort setzt sich der gebürtige Niedersachse und Wahlgenfer kritisch mit der mechanisch-zentristischen Weltsicht insbesondere der Wissenschaft auseinander. In den vergangenen 50 Jahren hat diese Kultur gefährdende Geisteshaltung weiter zugenommen. Es ist die Steuerungs- und Lenkungsillusion, die die eigentliche tiefere Ursache der aktuellen Krise von Wirtschaft und Gesellschaft bildet. Die Zeit ist reif für Widerspruch gegen vorherrschende Mythen, darunter einen wohlmeinend lenkenden Staatsapparat, der durch richtige Interventionen in Märkte, erfolgreich regulierend Krisenprävention betreiben könne und als Wohlfahrtsstaat für sozialen Frieden und eine blühende, sozial gerechte Gesellschaft sorgen würde. Die Marktwirtschaft ist wie das übergeordnete Ganze – die offene Gesellschaft – keine sich selbst erhaltende Ordnung. Wenn wir uns nicht für sie einsetzen, werden sie nicht bestehen bleiben. Verschenken Sie den neu aufgelegten Band „Jenseits von Angebot und Nachfrage“ und vor allem: Lesen Sie das Buch selbst! Michael von Prollius |





