Startseite Zum Mitnehmen Bibliothek Für Sie gelesen Keine Logik kollektiven Handelns (P. Lösche)
Keine Logik kollektiven Handelns (P. Lösche) PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 03. September 2008
CoverPeter Lösche: Verbände und Lobbyismus in Deutschland, (Sonderauflage für die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung), Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2007, 196 S., 24,80 EUR.
 
Selbst gestecktes Ziel des inzwischen emeritierten Göttinger Politikwissenschaftlers Peter Lösche ist es, über die wirkliche Macht und Ohnmacht von Verbänden und anderen Sonderinteressenvertretern aufzuklären. Dazu bildet Lösche, der Mitglied in der SPD ist, zwei Schwerpunkte: neuere Entwicklungen und die Frage der Demokratiegefährdung. In acht Kapiteln mit rund 130 Seiten und einem umfangreichen Anhang bietet das Buch vor allem eine systematische Übersicht. Definition, Verbandstypologie, Art und Weise der Einflussnahme in Deutschland, Europa und den USA sowie Verbände und Lobbyisten in der politischen Theorie bilden den Inhalt des Buches, zudem auch ein perspektivisches Resümee zählt.
Indes scheitert der aus Fernsehauftritten einem breiteren Publikum bekannte Politikwissenschaftler, wenn man ihm beim Wort nimmt. Dass Lobbyisten „zugespitzt formuliert – eine spezifische Form der Politikberatung dar[stellen]“, die auf „Informationsvermittlung“ und „großer sachlicher Kompetenz beruht“ ist eine Form des Politik-Positivismus, die unfreiwillig komisch wirkt. Mit den Beschreibungen des Buches von vielfältigen, faktisch undurchsichtigen Einflussnahmen der Sonderinteressen steht die Definition im Widerspruch. Insofern steht das Buch beispielhaft für den wissenschaftlichen Mainstream. Moderne Forschung, vielfach ohne Praxiserfahrung ziehen sich Wissenschaftler ohne ihre Wertebasis offen zulegen, auf eine scheinbare objektive Wissenschaftsposition zurück.
Tatsächlich nutzen Vertreter von Sonderinteressen, über Verbände und Lobbyismus hinaus etwa  Parteimitglieder, das Zwangsmonopol des Staates, um ihre Ziele zu verfolgen. In der Regel geschieht die zu Lasten anderer. Das ist das Wesen der Demokratie im Wohlfahrtsstaat. Nur die Durchsetzung allgemeiner Regeln kann derartigen Gemeinwohlschädigungen Grenzen setzen. Um zu dieser Sichtweise zu gelangen, hätten der Darstellung weniger moderne Entwicklungen als vielmehr Klassiker gut getan, darunter Mancur Olson. Von da aus wäre es nicht mehr weit, den Folgen kollektiven Handelns für den Einzelnen nachzuspüren.

Michael von Prollius
 
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