| Maschinenwinter führt zum Kältetod (D. Dath) |
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Dietmar Dath: Maschinenwinter. Wissenschaft, Technik, Sozialismus. Eine Streitschrift, edition unseld Suhrkamp, Frankfurt am Main 2008, 134 S., 10,00 EUR. 2010 jährt sich zum neunzigsten Mal der öffentliche Nachweis der Unmöglichkeit des Sozialismus. Ludwig von Mises hatte gezeigt, dass mangels einer funktionsfähigen Wirtschaftsrechnung, die in Marktwirtschaften das Preissystem sicherstellt, Sozialismus geplantes Chaos sein muss (als Buch: Die Gemeinwirtschaft, engl.: Socialism). Neosozialistische Überlegungen wie der Essay von Dietmar Dath scheitern stets bereits an dieser Hürde und bleiben literarische Fingerübungen ohne hinreichenden Realitätsbezug. Die 34 lose aneinander gereihten Kapitel über Moral, Technik, Existenzgeld, Fortschritt und manches mehr sind ein weiterer Beleg für den zum Scheitern verurteilten Sozialismus und zugleich für seine ungebrochene Anziehungskraft für Intellektuelle.
Bereits Daths Kernthese ist falsch: Maschinen verschlechtern unsere Lebensverhältnisse nicht zunehmend, sondern sind ein wichtiges Element unserer für breite Massen kontinuierlich verbesserten Lebensverhältnisse wie jüngste empirische Wohlstandsvergleiche zwischen 2005 und 1905 erneut plakativ aufzeigen. Die internationale Arbeitsteilung führt gerade auch durch den vermehrten Einsatz von Maschinen zu Produktivitätssteigerungen, die etwa in der Medizin und Lebensmittelproduktion buchstäblich unser Überleben sichern. Zugleich ist die Globalisierung ein weiterer schlagender Beweis, dass die Geschichte der Menschheit ganz wesentlich eine Geschichte der Kooperation und nicht des Klassenkampfes ist. Es erstaunt nicht, dass Dietmar Dath immer wieder im Detail scheitert, beleuchtet er doch nur das, was er sehen möchte: Rationalisierung wird auf das Freisetzen von Arbeitskräften beschränkt. Im Dunkeln liegt für ihn, dass auf diese Weise wertvolle Arbeitskräfte für andere, dringende Aufgaben frei geworden sind und dort eingesetzt werden. Wohl kaum einmal zuvor waren weltweit mehr Menschen beschäftigt als heute, den Wrnungen von Kutschern vor Arbeitsplätze vernichtenden Autos zum Trotz. Zugleich kann lediglich der Staat mit seinem Zwangsmonopol, nicht aber der Kapitalist und Unternehmer, Menschen zur Arbeit zwingen (S. 17). Zugleich dürfte es die mangelnde Klarheit und Mehrdeutigkeit sein, die nicht nur im Feuilleton, sondern auch in der Politik anziehend wirkt – die Beispiele in Maschinenwinter sind Legion: „'Privatisierung', also mehr oder weniger erfolgreiche Piraterie im Interesse der Besitzenden, soll das große Ganze neu formatieren. Sorgen? Man kehre vor der eigenen Tür, hier gibt es keine Gleichheit. Manche haben dafür Staubsauger, eine wachsende Zahl muss es mit den bloßen Händen versuchen.“ (S. 19) Erschließt sich Ihnen, wieso die Umwandlung von Staats- in Privateigentum mit dem gewaltsamen Raub von Eigentum vergleichbar sein soll? Privateigentum hat noch immer für Massenwohlstand, Kollektiveigentum hingegen wiederholt zu massenhaftem Hungertod geführt. Zu krass? Dann werfen Sie einmal einen Blick auf Nordkorea. Haben Sie schon häufiger oder überhaupt einmal bloße Handkehrer gesehen? Staubsauger sind wahrlich kein erschreckendes Exklusivgut mehr, sondern eine echte Hilfe, und ein Besen kehrt vor dem Haus sogar besser. Zahlreiche grundsätzliche Irrtümer und folgenreiche Flüchtigkeitsfehler durchziehen Dietmar Daths Ausführungen. Ein Beispiel: Der Wert des Geldes wird nicht durch Güter, sondern durch seine Knappheit bestimmt (S. 43). Ferner scheinen dem Science Fiction Liebhaber das Zustandekommen von Preisen und ihre Funktion unbekannt zu sein; das gilt auch für Zinsen und die Bedeutung des Kapitals. Kurzum, Maschinenwinter vermag es nicht, den unzulänglich eingemotteten Sozialismus vom Schnee zu befreien. Vielmehr müssen sich Intellektuelle wie Dietmar Dath den Vorwurf gefallen lassen, dass sie Abermillionen Tote – die Begleiterscheinung sozialistischer Experimente weltweit – durch vermeintlich schicke feuilletonistische Beiträge verschleiern. Die Wurzeln des Antikapitalismus kann man in dem gleichnamigen knappen Buch von Ludwig von Mises nachlesen, das erstmals 1956 erschien, vierzehn Jahre vor Dietmar Daths Geburt und gut 30 Jahre vor dem zwangsläufigen Offenbarungseid des Sozialismus. Michael von Prollius |






