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Geld, Preise, Zinsen und die Zukunft des Abendlandes (Institut für Wertewirtschaft) PDF Drucken E-Mail
Sonntag, 23. März 2008

Das Institut für Wertewirtschaft in Wien hat im letzten halben Jahr drei lesenswerte Broschüren vorgelegt, die mehr als ein Grundverständnis über die Entstehung und Funktionsweise von Geld, Preisen und Zinsen vermitteln. Sie räumen mit verbreiteten Fehlurteilen über diese alternativlosen Kernelemente unseres Wirtschaftens auf. Zugleich lassen die sorgfältig verfassten Analysen erkennen, was eine Wert orientierte Wirtschaftsweise ausmacht und wieso diese im Gegensatz steht zu unserem heute vielfach aufgeblähten Scheinwirtschaftssystem.

Institut für Wertewirtschaft: Geld, Wien, Oktober 2007, 62 S., 9 EUR.

CoverGeld ist ein „friedensstiftendes und gesellschaftsstiftendes Gut“, zu dem es für eine wertorientierte Lebensweise keine Alternative gibt! Mit diesem Paukenschlag für Anti-Kapitalisten beginnt als „Anregung zum Nachdenken“ untertitelte Broschüre „Geld“. Ursächlich dafür ist, dass Geld uns eine effektive Verfolgung unserer Lebensfreude bereitenden, selbst gesteckten Ziele ermöglicht. So optimiert Geld den Gütertausch, der stets die Lebenslage beider Tauschpartner verbessert (Win/Win-Situation). Infolge dessen wachsen Arbeitsteilung und Arbeitsproduktivität.
In den folgenden Abschnitten werden Entstehung und Funktionen von Geld aufgezeigt: Geld ist keine menschliche Erfindung, sondern eine Entdeckung, die im Lauf der Menschheitsgeschichte verschiedene Formen angenommen hat. Stets ist Geld Hilfsmittel, nicht Zweck an sich – Geld dient letztlich stets dem Austausch und ist zuvor eine Versicherung gegen Unvorhersehbares. Gespart stellt es einen Energiespeicher dar, der für wertorientierte Investitionen eingesetzt die Wohlfahrt vieler mehrt – und dies grenzüberschreitend.
Die Geldentwertung, insbesondere in Gestalt der Papiergeldinflationierung – das durch Güter nicht gedeckte Geldmengenwachstum liegt im zweistelligen Bereich –, ist nicht zuletzt ein Herrschaftsmittel, dass Kultur zerstörend wirkt. Wachstumszwang, Hyperinflationen, tendenziell sinkende Wertschätzung beim Tausch Gut gegen Papier-/Plastikgeld und Konsumrausch sind mit dem Scheingeldsystem verbunden: „Die Inflationierung führt zu einer ungerechtfertigten Umverteilung von Gütern von der Bevölkerung zu den Machthabern und stellt somit nichts anderes als eine versteckte Steuer dar“, welche vor allem die ärmere Bevölkerung bezahlt. Zugleich werden die Preiserhöhungen den Unternehmern in die Schuhe geschoben. Passend wird Schumpeter zitiert, der urteilte, der Zustand des Geldwesens sei für den Zustand der Gesellschaft insgesamt symptomatisch.
Anschließend zeigt die Analyse auf, warum Geld heute als Sündenbock der materialistischen westlichen Gesellschaft herhalten muss und warum sozial nur noch materialistisch definiert wird. Zukunftspessimismus angesichts eines spürbaren „gewissen Abwärtstrends“, der von Werteverlust begleitet wird, spielt nach Auffassung der Autoren eine zentrale Rolle. Zugleich schafft die künstliche Kapitalismuskritik ein Gefühl ohnmächtiger Abhängig- und Perspektivlosigkeit angesichts größerer, ungreifbarer Zwänge.
Der abschließende Teil enthält eine dreiteilige Erklärung der aktuellen Gesellschaftskrisis: Durch Steuern und Abgaben stetig steigende Transaktionskosten führen zu verzerrten Austauschverhältnissen, die Menschen das Gefühl geben, in einem Hamsterrad zu leben. Zudem führt die schwindende Berechenbarkeit durch eine inflationäre Gesetzgebung zu wachsender Unsicherheit. Schließlich wird Vertrauen untergraben, dadurch dass gesellschaftlicher Austausch ungünstiger wird. „Die Folge steigender Transaktionskosten ist der Zerfall der Gesellschaft“ und ein Teufelskreis nimmt Gestalt an, die selbst erfüllende Prophezeiung, nur noch auf Kosten anderer leben zu können, lautet folglich das ordoliberal anmutende Fazit.
Dieser prägnante Abschnitt zielt letztlich in das Herz des Wohlfahrtsstaates, dessen Wesen die Inflationierung und die Politisierung des Lebens ist. Denn erst die Politik trennt „mit der ihr inhärenten Logik in Sieger und Besiegte und schürt jene gesellschaftlichen Konflikte, die sie oberflächlich zu lösen vorgibt.“ So ließe sich im Sinne der Analyse urteilen: Ohne die Rückkehr zu einer soliden Währung, die nicht durch die Bruchteilreservehaltung des Zentralbanksystems pervertiert wird, und die persönliche Hinwendung zur Schaffung von Werten, dürfte der (relative) Niedergang des Abendlandes nicht aufzuhalten sein.

Gregor Hochreiter (Institut für Wertewirtschaft): Die Hintergründe der aktuellen Bankenkrise, 29.02.2008, 23 S. 

Zu welchen Krisen die Pervertierung des Geldes immer wieder führt, zeigt die aktuelle Finanzkrise. Gleichwohl werden ihre Ursachen insbesondere in den Kommentarspalten verwischt und mit den Symptomen verwechselt. Wohltuend hebt sich davon die Analyse „Die Hintergründe der Bankenkrise“ von Gregor Hochreiter ab. Im Mittelpunkt dieses ökonomischen Grundkurses, der für jedermann geeignet ist, wird anschaulich die Preisbildung erläutert. Eingriffe in das Preissystem führen zu widernatürlichen Angebots- und Nachfrageüberhängen. Letztere sind als Warteschlangen nicht nur das Sinnbild der DDR-Wirtschaft, sondern auch ein tragfähiger Erklärungsansatz für die aktuelle Finanzkrise:
Auf dem Markt für Ersparnisse sind die Sparer die Anbieter und die Unternehmen die Nachfrager nach Kapital. Der Preis ist der Zins; er kompensiert Sparer für den zeitlich begrenzten Konsumverzicht. Es gilt vice versa: „Je höher die Sparneigung, desto niedriger ist der Zins und desto höher ist der zukünftige Wohlstand.“ Auf Kapitalmärkten wird heute der Zins durch die Zentralbank fixiert. Warteschlangen entstehen – allerdings erst Zeit verzögert –, weil die Bruchteilreservehaltung künstlich das Kreditangebot ausweitet, ohne jedoch zusätzliche Ersparnisse zu schaffen. Anders als der Sachmittelkredit ist der Zirkulationskredit ein aus dem Nichts geschaffenes Scheinersparnis, das die Sparneigung nicht verändert, also auch keine Ausweitung des Angebots mit sich bringt. Ähnlich einem staatlich fixierten Höchstpreis steigt die Nachfrage, die Unternehmer wollen sich zu günstigen Konditionen verschulden, während sich für die Anbieter Sparen nicht lohnt. Der Kipppunkt ist dann erreicht, wenn die Unternehmer erkennen, dass sie mit den erhaltenen Scheinwerten ihre Vorhaben nicht fertig stellen können. Sie steigern die Zinsen, um an das knappe Gut „Ersparnisse“ zu gelangen. Diese Liquiditätskrise setzt den Heilungsprozess in Gang, wenn sie sich entfalten kann, mit der Folge, nicht wettbewerbsfähige Unternehmen aus dem Markt zu drängen. Banken sind durch ihre Produktion von Zirkulationskrediten überdurchschnittlich stark betroffen.
Kurzum, der Ausweg aus der Bankenkrise führt an Zinserhöhungen und Verringerung der Liquidität nicht vorbei, lautet die Folgerung von Gregor Hochreiter. Er weiß sich damit in Einklang mit der Österreichischen Schule und im Widerspruch zur Praxis der US-Zentralbank.

Rahim Taghizadegan (Institut für Wertewirtschaft): Eine kritische Überprüfung von Freiwirtschaft, Zinskritik und Schwundgeld nach Silvio Gesell, 05.02.2008, 27 S. 

Eine kritische Überprüfung von Freiwirtschaft, Zinskritik und Schwundgeld nach Silvio Gesell“ nimmt Rahim Taghizadegan vor. Die Analyse steht beispielhaft für eine gelungene Mischung aus Prägnanz, Einordnung in den historischen Kontext und die Vermittlung grundlegender ökonomisch-gesellschaftlicher Zusammenhänge, die auch über den Fall
Gesell hinaus lehrreich sind.
In sieben Kapiteln auf 27 zweispaltig bedruckten Seiten analysiert Taghizadegan die Ideologie Gesells sowie dessen Geld-, Krisen- und Zinstheorie, ferner das Konzept des Freigelds und dessen Anwendung, das als „Wunder von Wörgl“ in die Geschichte eingegangen ist. Den Abschluss bildete eine Betrachtung der aktuellen Erscheinungen Regiogeld und Tauschkreise.
Silvio Gesells Lehre von der „Freiwirtschaft“ erfreut sich als vermeintlich konsistenter Gegenentwurf zu Kapitalismus und Sozialismus wachsender Popularität. Gesells Ideologie steht beispielhaft für eine eigentümlich widersprüchliche Mischung aus freiheitlicher Grundhaltung und konstruktivistisch-idealistischem Weltverbesserungstun.
Taghizadegan zeigt auf, dass Gesells Geldtheorie auf der fälschlichen Annahme fußt, Geld sei eine menschliche Erfindung und sich den aus Münzverschlechterungen resultierenden zeitgenössischen Groll gegen das Goldgeld zu Nutze macht. Systematisch seziert er weitere Denkfehler des Freiwirtschaftlers, darunter: Tauschmittel sind nicht per se, sondern subjektiv wertvoll oder wertlos. Der Wertverlust der Goldwährung ist ihr nicht inhärent, sondern durch Interventionismus bedingt.
Gesells Theorie der Wirtschaftskrisen macht ihn gleichsam zu einem „Keynesianer“ vor Keynes. Er unterliegt der Geldillusion, die auf einer Verwechselung von nominalen und realen Preisen beruht. Dieser Abschnitt über Gesells Krisentheorie ist eine gelungene Quellenkritik, die zugleich den Mythos entlarvt, Konsum könne Wohlstand stiften, etwa wie Robinson Crusoe, der durch gesteigerten Fischkonsum die Nachfrage ankurbelt. Dabei handelt es sich um nicht weniger als eine „Verwechselung von künstlichem Boom mit nachhaltiger Wohlstandsteigerung“.
Auch in seiner Zinstheorie verwechselt Gesell Symptome und Ursachen durch sein mangelndes Verständnis der Österreichischen Schule. Nicht Zinsen sind problematisch, sondern ihre Manipulation.
Als Heilmittel gegen die konstatierten Übel und um seiner utopischen Freiwirtschaft näher zu kommen, entwickelt der Fortschrittsoptimist Gesell sein Frei- oder Schwundgeld. Horten bremse die Entwicklung der Wirtschaft und eine sinkende umlaufende Geldmenge rufe Krisen hervor. Rahim Taghizadegan weist zunächst darauf hin, dass jedwedes Geld gehalten wird, ein Unterschied zwischen „raffendem“ und „schaffendem“ Kapital nicht existiert. Zudem schafft eine höhere Umlaufgeschwindigkeit keinen höheren Wohlstand, wie eine im Kreis laufende Münze. Auch hier liegt der Irrtum in der Konsumfokussierung: Wohlstand „ist Ziel und nicht Ursache der Wohlstandsmehrung“. Schließlich scheitert Gesell theoretisch und praktisch an seiner Prämisse, Geld sei eine Erfindung des Menschen, Schwundgeld werde sich durchsetzen, zumal die existierenden Währungen ja faktisch reinstes Schwundgeld sind. Anhand des vermeintlichen „Wunders von Wörgel“ zeigt die Analyse diese Schwächen und das Scheitern des Schwundgeldes noch einmal auf. Zugleich tritt der kurzfristige psychologische Effekt einer Wohlstandsillusion plastisch hervor.
Heute soll es bis zu gut 4.000 alternative Währungen und Tauschsysteme geben. Diese umgehen die Besteuerung und Regulierungen, sind regional bezogen und stillen das Bedürfnis nach nicht-inflationierten Währungen. All dies hat jedoch mit Gesells Ideen kaum etwas zu tun. Als dieser 1919 selbst Politik gestalten konnte, ließ er alle Guthaben und Dreiviertel aller Vermögen beschlagnahmen. Wie sollte es anders sein, musste auch Sylvio Gesells auf Zwang beruhender Versuch, den Himmel auf Erden zu bereiten, die Hölle schaffen.

Liest man diese Publikationen zusammen und nimmt sich etwas Zeit zum Nachdenken, so wird dreierlei deutlich: Eine stabile Währung ist eine alternativlose Voraussetzung nicht nur für eine funktionierende Marktwirtschaft, sondern auch für ein friedliches gesellschaftliches Miteinander. Das staatliche Währungsmonopol ist nicht nur ein Angriff auf diesen „sozialen Frieden“, sondern wirkt durch die anti-kapitalistische Irrungen und Wendungen auch Werte zersetzend. Schließlich lohnt es sich die Arbeit des Instituts für Wertewirtschaft zu begleiten. Hier nimmt eine wertvolle Alternative zum wissenschaftlichen Mainstream und zum herrschenden Gesellschaftsmodell Gestalt an.

Michael von Prollius

 
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