Startseite Zum Mitnehmen Bibliothek Für Sie gelesen Heterodox: Die Österreichische Schule der Nationalökonomie (Huerta de Soto)
Heterodox: Die Österreichische Schule der Nationalökonomie (Huerta de Soto) PDF Drucken E-Mail
Freitag, 31. August 2007

CoverJesús Huerta des Soto: Die Österreichische Schule der Nationalökonomie – Markt und unternehmerische Kreativität (Deutsche Erstausgabe aus der Serie „The International Library of Austrian Economics“, Bd. 12, hg. v. Friedrich August von Hayek Institut), Wien 2007, 152 S., 19,00 EUR.

Die Österreichische Schule erfreut sich zumindest in eingeweihten Kreisen zunehmender Beliebtheit. Diese Entwicklung hat verschiedene Ursachen: So ist die Ernüchterung über das Wissen, welches an den fast durchgängig neoklassisch dominierten deutschen Universitäten vermittelt wird, groß. Die Grundsätze der Österreicher sind hingegen unmittelbar verständlich, praxistauglich und zielen auf die kleinen und großen Fragen unseres Zusammenlebens zugleich ab. Hinzu kommen Bemühungen von unterschiedlicher Seite, die teilweise verschütteten Ideen wieder zu beleben. Ein gelungener Versuch ist der von Jesús Huerta de Soto verfasste Einführungsband, der vom Hayek Institut in Wien herausgegeben wurde.

Der ideale Einstieg gliedert sich in zwei große Teile. In den ersten beiden Kapiteln werden knapp und verständlich die Grundsätze der Österreichischen Schule in Abgrenzung zur Neoklassik erläutert, also Theorie des Handelns versus Theorie der Entscheidungen, Subjektivismus versus Objektivismus, Unternehmer versus Homo oeconomicus, verbaler versus mathematischer Formalismus usw. Hinzu kommt ein Abschnitt über die herausragende Bedeutung des Wissens und des Unternehmers. Die Schlussfolgerung lautet, dass „die Gesellschaft als ein spontaner komplexer Prozess verstanden werden kann … [weil] er von niemandem bewusst entworfen werden kann … [und] aus Millionen und Aber-Millionen von Personen mit einer unendlichen Vielfalt von sich ständig ändernden Zielen, Geschmäckern, Wertschätzungen und praktischem Wissen besteht.“ Die Interaktionen der Menschen werden von „der Kraft der unternehmerischen Funktion angetrieben“, die unaufhörlich Wissen schafft, entdeckt, übermittelt und koordiniert. Die Frage liegt nahe, wie viel Aufklärung allein mit dieser Erkenntnis möglich wäre, würde sie in der Schule vermittelt werden.
Der zweite Abschnitt ist eine lesenswerte dogmengeschichtliche Darstellung über die Entstehung der Österreichischen Schule. Als Vorläufer haben die spanischen Scholastiker ein solides Fundament gelegt und bemerkenswert viele Erkenntnisse vorweggenommen, etwa die Zeitpräferenzrate, die verzerrenden Effekte der Inflation oder das dynamische Konzept der Konkurrenz. De Soto spart nicht mit Kritik an Adam Smith und zeichnet eine chronologische Entwicklungsgeschichte anhand der herausragenden Protagonisten nach. Leben und Werk von Menger, Böhm-Bawerk, von Mises und von Hayek werden konzise erläutert und ihre wissenschaftlichen Debatten herausgearbeitet. Die Mischung aus einem theoretischen und einem biographischen Zugang bewährt sich und macht das Buch auch abschnittsweise lesenswert. Ein Resümee über die aktuelle Renaissance einschließlich eines Hinweises auf wichtige (lebende) Vertreter der Österreichischen Schule rundet den Band ab. Er sollte in keinem Bücherregal fehlen.
Mehr Publikationen der Österreichischen Schule gibt es bei den üblichen Verdächtigen, etwa dem Ludwig von Mises Institut, eine Vielzahl von frei zugänglichen Texten bei mises.de und auch Restposten bei buchausgabe.de.

 
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