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Staatsformen (A. Gallus / E. Jesse ) PDF Drucken E-Mail
Montag, 11. Juni 2007

CoverAlexander Gallus / Eckhard Jesse (Hg.): Staatsformen. Modelle politischer Ordnung von der Antike bis zur Gegenwart, Böhlau Verlag, Köln 2004, € 39,90.

Den Staat gab es schon immer. Einen Überblick über Kontinuität und Wandel seiner real existierenden Formen und seiner Ideengeschichte bietet das wissenschaftlich nüchterne Handbuch der beiden Chemnitzer Politikwissenschaftler. Der historische Rückblick von der Antike bis heute zeigt, dass die menschlichen Bedürfnisse nach Freiheit und Wohlstand am stärksten in der Demokratie befriedigt werden. In der Antike war die Demokratie gleichsam staatsfrei! Die Ausweitung der Staatstätigkeit ist das Wesensmerkmal der Modernisierung. Sie vollzieht sich seit der „Herrschaftsinstitutionalisierung“ der Frühen Neuzeit unbeschadet der großen Umwälzungen des 19. und der Diktaturen des 20. Jahrhunderts. Das Ende des Nationalstaats steht jedoch nicht bevor. Hoffnung auf mehr rechtsstaatlich gesicherte Freiheit bereitet den Lesern von Forum Ordnungspolitik allein eine mögliche Perspektive des Staates im 21.Jahrhundert: der regulatorische Staat. Er ist bei der Verfolgung gesellschaftlicher Ziele dem Effizienzgedanken verpflichtet - der Globalisierung sei Dank. Dass keiner der zehn Autoren eine Alternative zum Staat erkennt, liegt in der Natur der Sache, zumal keine systematische Staatskritik erfolgt oder gar libertäre Ansätze thematisiert werden. Die Stärke der ausschließlich aus der Makroperspektive ausgebreiteten Typologien liegt in der vergleichenden Perspektive. Das Handbuch bietet mit sehr verdichteten, beschreibenden Überblicken eine kombinierte Geschichte der Modelle politischer Ordnung und politischer Ordnungsideen – eine Geschichte der Staatsformen und Staatsideen. Merkwürdig nur, dass der kenntnisreiche historische und vergleichend-politikwissenschaftliche konzipierte Sammelband die Frage „Was ist der Staat?“ unter Ausschluss des Individuums bemerkenswert abstrakt bleibt. Schließlich besteht doch der Staat aus Menschen, die über Menschen herrschen.

Michael v. Prollius


 
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