Startseite Zum Mitnehmen Bibliothek Für Sie gelesen Worauf warten wir? (N. Wolf)
Worauf warten wir? (N. Wolf) PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 07. März 2007

Cover… fragt Abtprimas Notker Wolf in seinem lesenswerten Buch über staatliche Missstände und individuellen Möglichkeiten, diesen zu begegnen.

Ausgangspunkt bildet sein klares Urteil: „Der Betreuungsstaat sozialdemokratischer Prägung ist bereits am Ende.“ (S. 16). Konsequent fordert der Benediktiner ein grundsätzliches Umdenken – weg vom bundesdeutschen Primat der Gleichheit hin zur Wiedererlangung der Freiheit. Letztlich geht es um nichts weniger als eine Grasswurzelrevolution in den Köpfen, denn ihr folgen die notwendigen Taten. Während der überkommene pseudomoralische Obrigkeitsstaat gehorsame, resignierte, verzagte und somit entmündigte Bürger benötigt, ermöglicht eine Ordnung der Freiheit unsere individuelle Entfaltung. Und diese Ordnung ist greifbar, wir selbst haben die dafür erforderlichen Veränderungen in unserer Hand, lautet die frohe Botschaft: „Aller Erfahrung nach ändern sich die Verhältnisse nämlich in dem Moment, in dem ich selbst sie ändere.“ (S.35). Diese positive Sicht durchzieht das ganze Buch.

Religion und die Benediktinerordnung einerseits, die Freiheit andererseits, das sind nur zwei Seiten einer Medaille, erfahren wir von dem katholischen Philosophen, der zugleich gute Werbung für das Klosterleben macht und mit vielen Lebensweisheiten aufwarten kann. Zwar mutet der Wechsel zwischen Erlebnissen und Ereignissen im Benediktinerorden und der lehrreichen Predigt für die Freiheit zuweilen etwas merkwürdig an. Gleichwohl findet sich Notker Wolf erstaunlich häufig im Einklang mit Friedrich August von Hayek. Die hier besprochene 7. Auflage 2006 zeigt wie verständlich sein Plädoyer für die Freiheit ausgefallen ist und wie groß das Bedürfnis danach ist.

In 21 gut geschriebenen Kapiteln wird u.a. die Kulturrevolution der 68er beschrieben, deren „moralischer Ehrgeiz“ die Vernunft verstoßen hat. Freiheit gilt Wolf nicht zuletzt als Handlungsfreiheit und Gestaltungsfreiheit und damit als Chance, Gutes zu tun. Freiheit ist aber auch stets ein Wagnis und beileibe nichts Harmloses – ein bedenkenswerter Satz, nicht nur für Libertäre. Das gilt auch für die These, der Fürsorgestaat ist Teil unserer moralischen Identität, aber es ist ein Irrtum, den humanen Staat an die Stelle einer humanen Gesellschaft setzen zu wollen (S. 94). Aus der ausführlicheren Auseinandersetzung mit der politischen Korrektheit sei herausgegriffen: „Antidiskriminierung führt zur Selbstermächtigung all derer, die partout Anstoß nehmen wollen.“ (S. 131) Vorbildlich und ermutigend ist das Plädoyer: Freiheit beruht auf Vertrauen und erfordert Stolz und Respekt!

Der gut 200 Seiten umfassende Band passt in jede Reisetasche und bietet sich mit seinem Schutzumschlag als Reiselektüre an. Bezeichnender Weise trägt das Buch den Untertitel „Ketzerische Gedanken zu Deutschland“. Aber es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass das Buch einleitende Zitat uns Deutschen den Weg weist – Psalm 66,12: Wir gingen durch Feuer und Wasser. Doch du hast uns in die Freiheit hinausgeführt.

 
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