Wider das Gutmenschentum Drucken
Geschrieben von: mvp   
Sonntag, 19. Januar 2014

Sebastian Moll: Du sollst nicht atmen. Warum wir am besten das Atmen einstellen sollten und andere Erkenntnisse aus dem Jetzt, mit Cartoons von Thomas Plassmann, adeo Verlag, 123 S., 14,99 Euro.

Der evangelische Theologe und wissenschaftliche Mitarbeiter an der Universität Mainz Sebastian Moll betont in seinem unterhaltsamen Buch, dass es auch eine Ökologie des Menschen gibt: „Auch der Mensch hat eine Natur, die erachten muss und die er nicht beliebig manipulieren kann.“ Das ist die von ihm eingangs zitierte, wegweisende Passage aus der Rede von Papst Benedikt XVI. vor dem Deutschen Bundestag. Konsequent widerspricht Moll den Entsagern – von Vegetariern, über CO2-Fussabdrucklern bis zu Wassersparvolkssportlern, aber auch „in hohem Maße gefährlichen“ Gender-Ideologen, die er allesamt für pharisäische Ethiker hält. Unterstützt von Cartoons, die Thomas Plassmann beigetragen hat, betont Moll, dass die Natur für den Menschen da ist und nicht der Mensch für die Natur. Wir sollen kein schlechtes Gewissen haben, sondern uns an unserem Dasein freuen: „Nichts braucht die Welt mehr als lebensfrohe Menschen.“ Manches rückt er in eine andere Perspektive, etwa den heute inflationär und falsch gebrauchten Begriff „Selbstverwirklichung“. Es gehe nicht darum, was man will, sondern was man kann.

Die schnelle, unterhaltsame Lektüre ist nicht immer argumentativ scharf. Manchmal ist es jedoch hilfreicher, nicht jedes Argument mit einem Gegenargument zu entkräften. Auf jeden Fall lohnt sich die Menschen bejahende Gegenrede wider das Gutmenschentum.