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Stoppt das Euro Deaster! Aber so wohl nicht ... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: mvp   
Donnerstag, 07. Juni 2012

Max Otte: Stoppt das Euro Desaster, Ullstein Verlag, 4. Aufl. Berlin 2011, 46 S., 3,99 Euro.

Max Otte ist ein Erfolgsautor, der frühzeitig vor der Finanzkrise und vor der Euro-Misere gewarnt hat. Wie in seinen Bücher besticht auch in diesem kleinen Essay seine Mischung aus Einsichten und Erklärungen in verständlicher Schreibweise sowie das ins populistische abgleitende Plädoyer für eine sozial regulierte Marktwirtschaft.

Ottes Analyse und Forderungen dürften viele Freunde der Freiheit teilen: Das Ziel der derzeitigen Politik sei nicht die Rettung der Volkswirtschaften, des Euro oder Europas, sondern vielmehr die Rettung der Banken. Leidtragende seien die Bürger. Ein Schuldenschnitt müsse her. Zustimmung dürfte auch die Aussagen finden: „Wir brauchen keinen Sozialismus für Banken und Superreiche, in dem diese Gruppen auf Kosten des Staates leben, ohne sich angemessen an der Wertschöpfung in der Wirtschaft zu beteiligen.“

Kopfschütteln sollte der aufmerksame Leser allerdings angesichts solcher Aussagen: „Dabei sind unregulierte Finanzmärkte höchst gefährlich.“ (S. 16) und „Banken müssen nach den Regelwerken Basel II und Basel III zum Beispiel 'Kernkapitalquoten' von fünf, sieben oder mehr Prozent vorhalten.“ (S. 22) Dieser Widerspruch auf nur vier Seiten weist auf das problematische Verständnis der Marktwirtschaft von Max Otte hin. Schließlich kann eine Marktwirtschaft nicht funktionieren, wenn ihrem Wesenskern - dem Gewinn- und Verlust-Mechanismus - durch Regulierung die Möglichkeit Verluste zu machen, abhanden kommt. Umso erstaunlicher ist es, dass Max Otte weiter auf staatliche Abhilfe setzt, etwa durch eine Finanztransaktionssteuer und eine staatliche Ratingagentur. Seine Kritik an den große Ratingagenturen trifft, aber wie soll ausgerechnet eine Behörde hier Abhilfe schaffen, noch dazu nachdem weder EZB noch Bundesbank noch Bafin die Krise haben kommen sehen? Das gilt umso mehr, als Otte zurecht die Regulierungarbitrage der Regierenden anprangert, die durch Bruch des AEU-Vertrages ihre selbst gesetzten Standards unterlaufen. Mit dem Rettungsschirm machen die Regierenden perverserweise genau das, was die Investmentbanken ihnen vorexerziert haben, urteilt der BWL-Professor. Perverse als Heiler?

Michael von Prollius

 
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