| Argumente für Freiheit und gegen Knechtschaft |
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| Geschrieben von: mvp |
| Mittwoch, 18. Januar 2012 |
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Der Wirtschaftsphilosoph Gerd Habermann weist mit seiner neuen Kompilation auf den zeitlosen, im Krisenringen wieder brandaktuellen Gegensatz zweier ordnungspolitischen Idealtypen hin: Freiheit oder Knechtschaft? Das dem Handlexikon vorangestellte Konfuzius-Zitat ist Programm: „Wenn die Begriffe sich verwirren, verfallen die Ordnungen.“ Wie bereits mit seinem polemischen Soziallexikon „Richtigstellung“ streitet der Vollblutliberale leidenschaftlich gegen die praktizierte Umwertung der Begriffe. Über 400 Artikel mit beachtlicher Bandbreite sind in dem anregenden Band vereint. Nicht nur von A-Z, von Abgabenquote („Koeffizient für das Maß der Entmündigung einer Gesellschaft“) über „Gender Mainstreaming“ („Systematische Egalisierungspolitik zugunsten der 'Chancengleichheit der Frauen') bis „Zwei-Klassen-Medizin“ („Muss man wirklich noch Argumente gegen die Sozialisierung einer Branche vorbringen?“) reicht die soziale Thematik. Vielmehr besticht das Handlexikon durch eine inspirierende Themenvielfalt, darunter aktuelle Schlagworte aus politischen Debatten (Bad Bank, ESM, Kasino-Kapitalismus), Einträge zu Personen (Goethe, Hitler, Eugen Richter) und historische Kurzreisen, auch ideengeschichtlich (Römisches Reich, „Formierte Gesellschaft“, Frankfurter Schule). Ferner findet der Leser Erläuterungen zu Institutionen (Mont Pelerin Society, Liberale Institute), vielen sozialen Kernbegriffen (Gemeinwohl, Gerechtigkeit, Subsidiarität) und einer Fülle weiterer Themen. So mutet der Band wie ein Gespräch mit dem Pfeife rauchenden Professor Habermann an. Der Leser nimmt gleichsam Platz auf dem zweiten, noch freien Sessel auf dem Cover. Natürlich ist nicht alles zu Ende gedacht oder besser manches verkürzt, starke Behauptung sind zuweilen besser als ein schwaches Argument (Angebotsorientierte Politik als „einzig wirksame Methode der Wirtschaftsbelebung“, Aristoteles als Philosoph „bürgerlicher Herkunft“, soziale Marktwirtschaft als „großartiger Entwurf Ludwig Erhards“ ), aber darum geht es nicht. Es geht um griffige, schlagende Argumente in alltäglichen Debatten, um Denkanstöße und eine grundsätzlich andere Sichtweise als die uns täglich von Gutmenschen eingeredete, natürlich auch um Verve und Schmissigkeit in einer mit Leidenschaft geführten Debatte. Aufgespiesst und auf den Punkt gebracht hat Gerd Habermann vieles, darunter auch: Liberalismus als „Befreiungsbotschaft für den 'kleinen Mann', im Wesentlichen im 17. und 18. Jahrhundert konzipiert, mit Wurzeln in der Antike und im Christentum. Seine zentrale Botschaft lautet: Jeder hat seine eigene Würde, er ist Herr seines Körpers und seines Eigentums und allein seinem Gewissen verantwortlich.“ Das selbstgesteckte Ziel erfüllt die liberale Streitkladde, nämlich „ein dezidiert liberales Soziallexikon“ zu sein, welches im Namen der „'Werte des Westens'“ (Freiheit, Personalität, Subsidiarität) die schönfärberischen Begriffsverfälschungen sozialer Demagogie aufdecken will gegen den Ansturm der Egalitarier, Etatisten, Fiskalisten und Soziakleptokraten.“ Nur so werden die angestrebten echten Sozialreformen, nämlich Minimalstaat und freie Weltwirtschaft, erreichbar sein. Dazu tragen auch die abrundende Einleitung von Günter Edeer über die „Verhausschweinung“ der Gesellschaft und der Essay von Gerd Habermann zur Ökonomie und Sprache des Neids bei. Möge der Band ähnliche Verbreitung wie die Schriften von Richard Cobden finden, dem Manchesterkapitalisten und „Champion of the poor“. Michael von Prollius |






Gerd Habermann: Freiheit oder Knechtschaft? Ein Handlexikon für liberale Streiter, Olzog Verlag, München 2011, 256 S., 26,90 Euro.