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Alexander Dörrbecker (Hg.): Geschichte und Freiheit. Ein Lord-Acton-Brevier, Verlag Neue Zürcher Zeitung, Sinzheim 2010, 237 S., 16,00 EUR.

Die Brevier-Reihe „Meisterdenker der Freiheitsphilosophie“ versammelt inzwischen eine stattliche Galerie von Klassikern. Umso erfreulicher ist es, dass Alexander Dörrbecker das in Deutschland kaum bekannte Werk des großen katholischen Liberalen Lord Acton durch Übersetzung und schlüssige Gliederung des Stoffs zugänglich gemacht hat. Auf über 200 Seiten entsteht ein Gesamtbild des publizistischen und literarischen Wirkens eines Mannes, dessen Lebenswerk lediglich aus Fragmenten besteht. Entstanden ist zugleich eine Fundgrube, ein gut erschlossener Zitatenschatz, der nicht zuletzt durch den begleitenden Essay Interesse an einer weiterführenden Beschäftigung weckt.

Wer kennt nicht die berühmte, komprimierte Feststellung Actons: „Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut“? Als einer der herausragenden Geistesgrößen des 19. Jahrhunderts neben Ranke und Tocqueville hat Acton jedoch mehr zu bieten, nämlich eine Deutung der Weltgeschichte als Geschichte der Freiheit. „Unter Freiheit verstehe ich die Zusicherung, dass jeder Mensch darin geschützt sein soll, gegen den Einfluss von Autorität oder Mehrheiten, Gewohnheit oder Meinung, das zu tun, was er für seine Pflicht hält.“ Die Idee der Freiheit beginnt demnach im antiken Griechenland mit Solon und erfährt eine ernst zu nehmende Bedrohung durch die unbeschränkte Demokratie mit dem reinem Mehrheitsprinzip. Acton, der die Bedeutung des Gewissens herausstellte, warnte vor absoluter Gleichheit als Gesellschaftsziel. Zugleich forderte er, der Mensch müsse die Freiheit in sich erkennen, da er ein Geschöpf Gottes sei.

Zeitlos aktuelle Herausforderungen finden sich in dem Brevier unter anderem beim Konflikt zwischen Gleichheit und Freiheit („Genuss der Gleichheit als oberstes Ziel – daraus entsteht Kommunismus“), Actons Ablehnung staatlicher Armenhilfe („Sie schafft auf künstliche Weise ein Proletariat, einen klassenlose Gruppe, die ... auf dauerhafte Unterstützung derjenigen baut, die für sie sorgen.“) und bei der Beschränkung der Macht als wichtigster Aufgabe: „Der Staat muss zurückgewiesen werden, es sei denn, es handelt sich um Geschäfte, die offensichtlich seine eigenen sind.“ Stets bleibt für Lord Acton Freiheit das höchste politische Ziel, statt Mittel zum Zweck zu sein.

Das Lord-Acton-Brevier lädt zum Innehalten ein, zum Nachdenken über das, was unsere Gesellschaftsordnung ausmacht.

 
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