Ulrike Ackermann (Hg.): Freiheit in der Krise? Der Wert der wirtschaftlichen, politischen und individuellen Freiheit, Humanities online, Frankfurt am Main 2009, 163 S., 22,80 EUR.
„Die Freiheit muss immer wieder verteidigt, geschützt und neu entdeckt werden.“ fordert Ulrike Ackermann im Vorwort zu einem perspektivenreichen Sammelband, der elf Autoren mit mehrfach fesselnden publizistischen Beiträgen vereint. Eine verbindende Botschaft enthält Vera Lengsfelds Artikel „Warum wir mehr Freiheit statt mehr Gerechtigkeit brauchen“. Dort schreibt sie: „Was wir .. brauchen ist eine neue Einstellung zu Freiheit und Selbstverantwortung, ein neues Verständnis von der Rolle und den Aufgaben des Staates.“ Das bedeutet für die frühere Bürgerrechtlerin auch eine Abkehr von schamloser Ausbeutung der Leistungsträger und Privilegienwirtschaft, stattdessen gelte es den Menschen eine Perspektive zu verschaffen. Das noch junge John Stuart Mill Institut für Freiheitsforschung an der SRH Hochschule Heidelberg ist ein kleiner Glücksfall – gerade für die Freiheitslehre. Sie können das durch die Lektüre des Sammelbandes überprüfen. So erläutert Klaus Hekking die Gründungsgeschichte des Instituts, das aus qualifizierten Absolventen selbstbewusste Staatsbürger machen soll. Dazu sei es erforderlich, dass „der Liberalismus wieder laut seine Stimme erhebt und sich diesem Staatskapitalismus entgegenstellt.“ Die Inhaberin des Freiheitslehrstuhls referiert gewohnt mitreißend über Kapitalismus und individuelle Freiheit, die sie in Anlehnung an den Aufklärer Denis Diderot als „Gesundheit der Seele“ bezeichnet. Herausgegriffen sei Gerhard Schulzes Kritik an populären Deutungsmustern der Finanzkrise, darunter untaugliche Buss- und Verzichtspredigten: „Schluss mit der Gier, damit alle was vom Kuchen abkriegen. Das Gegenargument lautet: Ohne Gier entsteht erst gar kein Kuchen.“ Eine Moral des Verzichts führe genau zu den Notlagen, die sie verhindern solle. Prickelnde Formulierungen hat Karen Horn zur Hybris als bösem Zwilling der Aufklärung gefunden, darunter den „Pumpkapitalismus“, der die Gesellschaft der Sparer abgelöst hat. Zeitlos gültig ist ihr Urteil: „Die Menschen in der Politik sind es, die den alles entscheidenden Rahmen bestimmen für das Handeln auf Märkten.“ Einen glänzenden Schlusspunkt setzt Michael Zöller mit „Markt, Moral und Liberalismus“. Wer die Rücksichtslosigkeit der Ellbogengesellschaft suche, der finde sie im Verhalten der organisierten Interessen, die der Leistungsstaat belohne und hervorrufe. Ohne Recht auf Auswahl gebe es keine Freiheit, ohne Wahlfreiheit keine Moral. „Der Markt erinnert also noch in seinen banalsten Erscheinungsformen an das Selbstbestimmungsrecht und die rechtliche Gleichrangigkeit der Einzelnen, weshalb er farbenblind und auch sonst vorurteilsfrei ist.“ (mvp)
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