| Buch des Monats April 2010 |
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Hardy Bouillon: Wirtschaft, Ethik und Gerechtigkeit, (ECAEF – Studien zur Wirtschafts- und Gesell-schaftsordnung Bd. IX, hg. von Kurt R. Leube) Verlag buchausgabe.de, Flörsheim 2010, 225 S., 19,90 EUR.
Klarer denken! Das ist eine (implizite) von vielen beachtenswerten Lehren, die das sehr lesenswerte und auch anspruchsvolle Buch des Philosophen Hardy Bouillon zur Wirtschaftsethik enthält. Nehmen Sie sich Zeit, um in Ruhe die „Reflexionen über bestimmte Phänomene, die aus der Schnittmenge von Ethik, Ökonomie und Politischer Philosophie hervorgegangen sind und im allgemeinen unter Wirtschaftsethik rubriziert werden“ zu studieren. Sie werden an der Konsistenz und Konsequenz der Argumentation Gefallen finden. Sie werden positiv überrascht sein, wenn unsere Lebenswirklichkeit, die durch „Behördensprech“, Anglizismen und Politische Korrektheit sprachlich und gedanklich verseucht ist, vom Kopf auf die Füße gestellt wird. Dazu müssen Sie zwar zunächst die Präliminarien durcharbeiten, verfügen dann aber über das erforderliche argumentative Rüstzeug, um die Erkenntnisse der drei nachfolgenden Kapitel „Wirtschaft“, „Gerechtigkeit“ und „Wirtschaftsethik“ nachzuvollziehen, darunter: Soziale Gerechtigkeit ist ein „Fehlbegriff“, die damit verbundene Forderung, formale Gerechtigkeit einzuschränken, wirtschaftsethisch inakzeptabel. Der sogenannte Generationenvertrag ist ein fiktiver Vertrag und damit kein Vertrag. Viele Umverteilungsforderungen basieren auf der Forderung, zweimal abzurechnen oder freie Güter in Rechnung zu stellen. Der Stakeholder Value Ansatz eignet sich nicht als Maßstab für wirtschaftlich gerechtes Handeln. Umweltbelange und soziale Interessen berührendes Handeln muss keineswegs per se moralischen Status haben. Bei Ökologie und Nachhaltigkeit werden häufig wirtschaftsmoralische Motive lediglich vorgeschoben, um andere Ziele zu erreichen, z.B. größere Marktanteile. Antidiskriminierung ist mit wirtschaftlichem Handeln unvereinbar, wirtschaftliches Handeln ist stets Diskriminierung. Der inspirierende Querdenker und konsequente Klardenker Hary Bouillon fordert: Unsere Normen müssen sich an formaler Gerechtigkeit messen und nicht umgekehrt. Für unseren gesellschaftspolitischen Alltag ist das eine Revolution – und eine Befreiung.
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