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Geschrieben von: mvp   
Mittwoch, 03. Dezember 2014

Norbert Bolz: Die ungeliebte Freiheit. Ein Lagebericht, Wilhelm Fink Verlag, München 2010, 169 S., 16,90 Euro.

„Freiheit bedeutet: Der Bürger handelt. Gleichheit aber bedeutet: Der Staat handelt.“ Diese und andere prägnante Formeln bietet der in Berlin lehrende Medienwissenschaftler Norbert Bolz in seinen facettenreichen Perspektiven auf Freiheit und Knechtschaft geradezu en masse.

Sein ideengeschichtlich-philosophisches Feuerwerk ist ein Plädoyer für Mut zur Bürgerlichkeit.

Die Angst vor der Freiheit schließe die Menschen in ein soziales Gefängnis ohne Ketten und Schlösser. Zudem wollten die Menschen nicht Freiheit, sie streben nach Glück, das es mehr als flüchtig aber nur über die Freiheit gebe.

Das Gespür für den Zeitgeist und pointierte Formulierungen machen die 15 essayistischen Kapitel zu einem Lese- und Nachdenkvergnügen. Das gilt nicht zuletzt deshalb, weil die Texte nicht allein um abstrakte Fragen der Gesellschaft kreisen, sondern auch konkrete Aspekte des eigenen Seins und Handelns thematisieren. Das betrifft über die Tugenden des Liberalen hinaus das Nachdenken über Freiheit als Versuch, sich selbst zu befreien angesichts einer nicht beweisbaren Freiheit, zu der man sich nur bekehren könne.

Zu weiteren Denkanstößen zählen: Kultur als Freiheitsverzicht und Willkür als Unfreiheit; die Leidenschaft der Freiheit als Kraft des Widerstands, bei kraftloser Wahlfreiheit; Liebe als Abhängigkeit, die befreit.

Bemerkens- und bedenkenswert ist, dass Norbert Bolz Universitäten heute als größte Feinde der Freiheit ansieht. Der Humboldt Universität sei der Bologna-Prozess gemacht worden. Damit dürfte er im Einklang vieler Libertärer stehen und einer hoffnungsvollen Bewegung, den Students for Liberty, argumentative Unterstützung bieten. So lässt sich das mit dem Tractatus-Preis für philosophische Essayistik ausgezeichnete Werk auch als Anleitung verstehen für überzeugungskräftige Freiheitsreden allerorten. Und das wird immer wichtiger, schließlich urteilt auch der Prof. der TU Berlin, dass nicht allein der Staat, sondern mindestens im gleichen Maße die Gesellschaft die Freiheit bedrohe. Wer mit Norbert Bolz der Auffassung ist: „Die bürgerliche Welt ist die Wirklichkeit der liberalen Idee“ dem sei zugerufen: Zurück in die Zukunft über die Erneuerung der klassisch liberalen Welt von gestern.