| Buch des Monats Dezember 2011 |
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| Geschrieben von: mvp | |||
| Dienstag, 20. Dezember 2011 | |||
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Widerspruch gegen die Ideologie der politischen Korrektheit und ihre Adepten ist eine alltägliche Aufgabe für jedermann. Teil dieses befremdlichen Sozialkonstruktivismus sind Behauptungen wie das Geschlecht sei eine soziale Konstruktion, außerdem gehören dazu revolutionäre Aktivismen wie Gender Mainstreaming und der militante Feminismus – noch dazu von Staats wegen. Gegen den „Spießer-Feminismus“ à la Alice Schwarzer wendet sich die Kreuzberger Intellektuelle Katharina Rutschky (1941-2010): Selbstkritik sei der Frauenbewegung fremd, eine „anhaltende Obsession mit dem, was Frauen fehlt“ perpetuiere lediglich weibliche Unfreiheit. Im Essay „Viel Lärm um nichts. Hat sich der Feminismus selbst abgeschafft, oder brauchen wir einen anderen, besseren? Einfälle einer späten Seiteneinsteigerin“ findet der Leser eine erhellende Diagnose: Die Frauenbewegung habe nichts Neues geschaffen. Sie war „eine konservative Reaktion auf die Entwertung traditioneller Weiblichkeit“. Der Versuch die „weibliche Freiheit mit neuen Inhalten zu füllen“ sei allzu halbherzig und vage geblieben. Inzwischen habe der Feminismus die Frauenbewegung abgelöst. Ähnlich großartig liest sich der Essay „Frau Lutherin“, der neben über 20 weiteren Aufsätzen wie „Frauen mit Kochstörungen“, „Die Pille hat Geburtstag“, „Die Monroe wird 80“ und „Im Quotenfieber“ vom Verlag Klaus Wagenbach in chronologischer Reihung zusammen gestellt wurde. Nebenbei bieten die seit 1985 überwiegend in namhaften Zeitungen publizierten Texte Einsichten in das Zusammenleben von Menschen, insbesondere Mann und Frau, vielfach mit Augenzwinkern: „Junge und alte Paare funktionieren im Kern über das Schweigen und die Kunst der kleinen Rache nebenbei.“ Wahrhaftige Liberale scheinen etwas "eigentümlich freies" an sich zu haben, tatsächlich sind sie einfach individuell, die kritisch blickenden übrigen Menschen lediglich angepasst. Statt sich ideologischem Opportunismus hinzugeben, denkt Katharina Rutschky nach, eine heute wenig verbreitete Geisteshaltung. Ihr freies Denken folgt zeitlosen Prinzipien, allen voran universeller Humanismus, libertärer Individualismus und Gleichheit vor dem Gesetz. So reichen sich Analyse und Handlungsempfehlung die Hand: „man ist nicht nur Opfer eines ungerechten Frauenschicksals, sondern ebenso Agent seines Lebens.“
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