| Buch des Monats Oktober 2011 |
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| Mittwoch, 05. Oktober 2011 | |||
Philipp Bagus: Die Tragödie des Euro. Ein System zerstört sich selbst, Finanzbuch Verlag, München 2011, 205 S., 17,99 Euro.
Wer eine klarsichtige, stringente Erklärung der Finanz- und Staatsschuldenkrise sucht, der findet sie von der ersten bis zu letzten Seite bei Philipp Bagus. Der Madrider Ökonom verfolgt die beiden konkurrierenden Europaideen, die der Sozialisten und der Liberalen, konzeptionell, strategisch und praktisch politisch. Entstanden ist so eine wirtschafts- und zeitgeschichtliche Untersuchung, die ökonomisch gesättigt und wissenschaftstheoretisch konsequent libertär (Madrid, Auburn, Las Vegas) konzipiert ist. Also: normative Wissenschaft im besten Sinne, die natürlich nicht unfehlbar ist. Erfreulicherweise hat der Finanzbuch Verlag eine gute Aufmachung gefunden. Philipp Bagus zeigt wie die Sozialisten – auf deutsch mag Sozialdemokraten angenehmer klingen – ihre Vision eines zentralistischen, interventionistischen Europa ungeachtet von Rückschlägen bislang erfolgreich realisiert haben. Mit dem von ihnen angestoßenen Euro-Projekt kommen sie dem europäischen Zentralstaat gerade auch nach der gescheiterten EU-Verfassung immer näher. Zugleich konnten sie der relativen Hartgeldpolitik der Bundesbank ein Ende bereiten, die den anderen Regierungen kontinuierlich peinliche Offenbarungseide bescherte. Wer hat sich nicht über den Zustand des italienischen Geldwesen zu Lirazeiten lustig gemacht? Das Euro-System bietet den Regierungen herausragende Vorteile: „Sie können ihre Ausgaben über den Umweg der Zentralbank mit neuem Geld finanzieren. Kosten werden der Bevölkerung in Form von Geld geringerer Qualität und Kaufkraft auferlegt.“ Dabei arbeiten Regierungen, die kontinuierlich Staatsanleihen zur Finanzierung ihrer Defizite auflegen, Hand in Hand mit Banken, die diese Staatsanleihen risikolos kaufen, bei der EZB als privilegierte Sicherheiten hinterlegen und so ihre Geschäftsmöglichkeiten erheblich ausweiten. Für den Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universidad Rey Juan Carlos handelt es sich im Kern um ein Allmende-Problem, also Übernutzung mangels eindeutiger Eigentumsrechte: „Der institutionelle Aufbau des Euro, mit seinen ungenügend definierten Eigentumsrechten, hat die Währung an den Rand des Zusammenbruchs gebracht und kann als eine Tragik der Allmende bezeichnet werden.“ Das Ergebnis sei ein Rennen zu den Notenpressen: Diejenigen Länder gewinnen das Umverteilungsrennen, deren Banken und Regierungen schneller inflationieren und zwar durch Defizitfinanzierung, also Drucken von Staatsanleihen. Eine ausgeprägte Transferunion und das Auseinanderbrechen der Eurozone sind für Philipp Bagus wahrscheinliche Entwicklungen, ein vollgedeckter Goldstandard wäre eine heilsame Alternative. Insider werden einen kritisch-konstruktiven Dialog führen mögen im Hinblick auf die Allmende-Problematik, das vorgeschlagene Volldeckungssystem, die Bedeutung von Eigentum und Verfügungsrechten sowie manche, der erforderlichen Kürze der Argumentation geschuldete, verschwörerisch anmutende Sicht. Tatsächlich ist es Bagus' Verdienst, die machtpolitischen Aspekte der Zwangsgeldeinführung prägnant herausgearbeitet zu haben. Am denkwürdigen Wochenende um den 7. Mai 2010 wurde ein „de facto Staatsstreich“ geführt. In der Staatsschuldenkrise geht es es also um weit mehr als „nur“ um das Finanzsystem, nämlich darum wie wir zukünftig leben werden. Diese Klarsichtigkeit ist außer unter Libertären nur noch bei den Linken vorhanden. Aber auch wenn Sie einfach nur eine gute journalistische Aufklärung über das Finanzmarktgeschehen suchen, dann greifen Sie zu dem Buch von Philipp Bagus: Die Tragödie des Euro.
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Philipp Bagus: Die Tragödie des Euro. Ein System zerstört sich selbst, Finanzbuch Verlag, München 2011, 205 S., 17,99 Euro.