Startseite Zum Forum Ordnungspolitik ... und ihre Ahnen und Nachkömmlinge James M. Buchanan (1984) Die Grenzen der Freiheit – Verfahrensregeln
James M. Buchanan (1984) Die Grenzen der Freiheit – Verfahrensregeln PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 14. Juli 2009

James McGill Buchanan Jr. wurde 1919 in Murfreesboro, Tennessee/USA geboren. Der Nobelpreisträger des Jahres 1986 hat mit seinen Arbeiten die Theorie der Wahlhandlungen (Public Choice) wesentlich begründet. Das zusammen mit Gordon Tullock verfasstes Buch „The Calculus of Consent“ (1962) gilt als Klassiker dieser Theorie und behandelt die politische Organisation einer freien Gesellschaft. Buchanans politische Ökonomie hat die Sozialwissenschaft über die Volkswirtschaftslehre hinaus beeinflusst. Dies entsprach ganz seinem Streben nach einer gesellschaftspolitischen Orientierung der Wirtschaftswissenschaft.

Buchanan lehrte den größten Teil seines Lebens in Virginia, u.a. an der University of Virginia in Charlottesville und an der George Mason University in Fairfax. Dort übernahm er wissenschaftliche Führungspositionen – so etwa 1969 als erster Direktor des Zentrums für das Studium von Wahlhandlungen und 1971 als Vizepräsident der US-amerikanischen Vereinigung der Ökonomen.

Mit „Die Grenzen der Freiheit“ („The Limits of Liberty“) anwortet Buchanan auf John Rawls’ „A Theory of Justice“, das den Gesellschaftsvertrag zu einer Theorie der „gerechten Umverteilung“ umfunktioniert. Dort knüpft Buchanan an die Vertragslehre von Thomas Hobbes an und versucht Rechtsordnung, Rechtsschutzstaat und Leistungsstaat als vertragliche Einigung rationaler Individuen eine Verfassungsform zu geben. Seine Verfassung trennt private und kollektive Handlungen. Buchanan unterteilt Wahlhandlungen in zwei Stufen: In der ersten Stufe wird die Verfassung bestimmt (Auswahl der Spielregeln), in der zweiten nachkonstitutionellen Phase wird das Spiel nach den Spielregeln gespielt. In dieser Perspektive sind Entscheidungen der Regierung Teil der Wirtschaft und nicht exogene Faktoren.

Buchanan ist bestrebt eine sozialphilosophische und ordnungspolitische Alternative zum Utilitarismus zu entwickeln. Seine leitende Fragestellung lautet: Können Menschen zu vertraglichen Vereinbarungen gelangen, die eine freiheitliche Gesellschaftsordnung begründen angesichts von Problemen wie Herrschaft, subjektiver Sicht und persönlichen Interessen? Daran schließen sich Überlegungen an, welche Aufgabe der Staat in einer freien Gesellschaft einnehmen sollte und wo seine Grenzen liegen. Anders als liberale Minimalstaatsvorstellungen sieht Buchanan zusätzlich zum Rechtsschutzstaat noch einen Leistungsstaat vor, der öffentliche Güter bereitstellt. Letzterer ist das Ergebnis eines offenen Verhandlungsprozesses.

In seiner ökonomischen Theorie der Verfassung thematisiert Buchanan Knappheit und damit Konflikte als das zentrale Problem jedweder gesellschaftlichen Ordnung. Lösungen und Alternativen müssen hier ansetzen und auf ihre Effizienz geprüft werden. Anarchie und Wohlfahrtsstaat scheiden dabei aus. Buchanan plädiert dafür, Umfang und Grenzen kollektiver Entscheidungsbefugnisse zu überdenken. Bedenkenswert sind seine Regeln und Verfahrensweisen, mit denen er bestehende Ordnungen in eine freiheitlichere Richtung weiterentwickeln möchte.Da die Freiheit des Einzelnen durch die Freiheit der Anderen begrenzt ist, durchdenkt Buchanan die sich daraus ergebenden Regeln für ein menschliches Zusammenleben und zeigt die Grenzen auf, innerhalb derer "freie Beziehungen unter freien Menschen" möglich sind. Erforderlich ist für Buchanan eine „konstitutionelle Revolution“, d. h. grundlegende Veränderungen der Ordnung des Gemeinwesens, die allen Mitgliedern zum Vorteil gereichen und im Wesentlichen aus Verhaltensbeschränkungen bestehen.

 
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