Liberale Ikone PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: mvp   
Sonntag, 29. Juli 2012

Zum 100. Geburtstag: Der US-Ökonom Milton Friedman war ein leidenschaftlicher Kämpfer für mehr Freiheit in allen Bereichen

„Der Euro sollte noch vor dem 1. Januar 2002 aufgegeben werden.“ konstatierte Milton Friedman in einem Brief an den italienischen Ökonomen und Politiker Antonio Martino im April 1999. „Die Mängel des Euro werden etwas Zeit brauchen bis sie sich offenbaren“, indes solle Italien zumindest die Druckplatten für die Lira behalten. 2002 erneuerte der neben John Maynard Keynes bedeutendste Ökonom des 20. Jahrhunderts seine Kritik als er dem Magazin „Capital“ sagte: „Euro-Land bricht in fünf bis 15 Jahren auseinander“. Die von ihm genannten Gründe sind heute unübersehbar: unterschiedliche Kulturen, Wirtschaftsweisen und Wettbewerbsfähigkeit.

Verfechter des Monetarismus

Als Vater des „Monetarismus“ setzte sich Milton Friedman für eine strikte Regelbindung der Geldpolitik ein. Die von ihm maßgeblich eingeleitete „Gegenrevolution der Geldtheorie“ rehabilitierte die Quantitätstheorie des Geldes. Inflation ist demnach ein rein monetäres Phänomen. Die Geldmenge hat entscheidenden Einfluss auf die Wirtschaftsentwicklung und stellt eine gefährliche Stellschraube dar: Zu viel Geld führt zu Inflation, zu wenig zu Deflation. Ein festes Geldmengenwachstum, das sich am Wirtschaftswachstum der Volkswirtschaft orientiert, soll monetäre Schocks verhindern, die Zentralbanken verursachen.

Diese Erkenntnis barg Brisanz, stieß sie doch die bisherige Leitfigur Keynes vom Thron. In seinem Hauptwerk „A Monetary History of the United States“ untersucht Friedman zusammen mit Anna Schwartz die Folgen von Geldmengenänderungen für die Konjunktur. Das Ergebnis: Keynes Erklärung der Weltwirtschaftskrise über eine mangelnde Nachfrage ist falsch; die amerikanische Zentralbank hat versagt, sie hätte Liquidität bereitstellen müssen und können. Zudem lehnte der in Chicago lehrende Ökonom Finanzpolitik als Instrument der Nachfragesteuerung genauso ab wie eine antizyklische Fiskalpolitik und staatliche Ausgaben zur Ankurbelung der Wirtschaft, die bereits mittelfristig verpuffen. Arbeitslosigkeit, die auf freien Märkten gegen null tendiert, ist nur durch Strukturreformen beizukommen.

Tatsächlich löste der Monetarismus und die von Friedman inspirierte sogenannte Angebotspolitik den Keynesianismus ab. Die Bundesbank ging 1974 als erste zur Geldmengensteuerung über, mit gutem Erfolg, die USA und Großbritannien folgten in der Inflationsbekämpfung. Die Unternehmer und ihre schöpferische Funktion rückten stärker in den Mittelpunkt. Strukturreformen einschließlich Steuersenkungen waren in aller Munde, auch bei Thatcherismus und Reagonomics. Beide Namensgeber hatte Milton Friedman beraten. Die Wirtschaft kam nach der Stagflation wieder in Trab.

Der Nobelpreisträger von 1976 verlangte den Rückzug des Staates aus nahezu allen Bereichen der Wirtschaft und vielen Lebensbereichen. Schin 1962 forderte er in seinem Buch "Capitalism and Freedom" unter anderem die Abschaffung aller Zölle und das Ende der Wehrpflicht. Als Mitglied einer 1969 von Präsident Nixon eingesetzten Kommission plädierte er als konsequenter Liberaler für eine Freiwilligenarmee - 1973 wurd die 1917 formal einegführte und ab 1940 verschärfte US-Wehrpflicht dann tatsächlich ausgesetzt. Er setzte sich mit funkelnden Formulierungen auch für ein freies Schulwesen mit Schulgutscheinen statt Schulsubventionen ein. Seine nicht nur von Konservativen verteufelte Forderung nach einer Legalisierung von Rauschgift hat angesichts des Drogenkriegs in Mexiko an Aktualität gewonnen. Auch die Vorzugsbehandlung und Quoten für Minderheiten (affirmative action) lehnte Friedman ab.

Unterschiede zur Österreichischen Schule

Wohlfahrtsstaat und Inflation erkannte er als größte Feinde der Wirtschaft. Er machte die Erkenntnis „There is no such thing as a free lunch“ (NIchts ist umsonst) populär. In seiner Fernsehserie „Free to choose“ (1980) verdeutlichte er die Vorzüge eines freien Marktes und die negativen Konsequenzen staatlicher Eingriffe. Als Publizist und Politikberater hat der Starökonom praktische Probleme auf liberale Weise gelöst, zuweilen zu pragmatisch lauten libertäre Vorwürfe. Tatsächlich lohnt bei allen Gemeinsamkeiten ein Blick auf die Unterschiede zwischen Wiener und Chicagoer Schule der Ökonomik. Friedman stand als Modellökonom mit seinem Gleichgewichtsdenken Keynes nahe, kann aber mit empirischen Argumenten im Wissenschafts- und Politikbetrieb überzeugen.

Die Österreichische Schule (Ludwig von Mises, Friedrich von Hayek) vertritt eine überzeugendere Markttheorie als dynamischen Ungleichgewichtsprozess. Solides Geld: Zur Vermeidung der Finanz- und Staatsschuldenkrise wären die Zentralbanken mit der fester Geldmengensteuerung besser gefahren, idealerweise verfeinert durch die (John B.) Taylor-Regel. Allerdings hat sich die Geldverfassung als nicht robust genug gegen politische Einflussnahme erwiesen. Zudem ist die Geldnachfrage keineswegs konstant wie modellhaft unterstellt und schwer identifizierbar. Österreicher setzen auf einen Goldstandard oder/ und ein freies Geldwesen. Der Monetarismus erscheint pragmatischer und mit einer 100% Depositen Regel immer noch als zweitbeste Lösung.

Die "Österreicher" verfügen über die zukunftsweisenden Ideen für eine Erneuerung der Volkswirtschaftslehre: „Die Österreichische Schule ist tatsächlich die einzige Schule, die auf mikroökonomischen Prinzipien basiert und deshalb den 'missing link' zwischen Mikro und Makro herstellen kann, den Ökonomen lange gesucht haben.“ urteilt der US-Ökonom Mark Skousen. Milton Friedmans Einfluss ist indes einzigartig. Nach seiner Emeritierung in Chicago war Friedman von 1977 bis zu seinem Tod 2006 weiter an der Hoover Institution der Standford University in Kalifornien tätig. Der erfolgreichste Botschafter der liberalen Idee nannte die Ökonomie seine Berufung, den Liberalismus nur seine Nebentätigkeit.


Quelle: Junge Freiheit, Ausgabe 30-31/12 vom 20. Juli / 27. Juli 2012.

 
Facebook MySpace Twitter Digg Delicious 
 
 
Bild