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Man findet den Wald vor lauter Wildnis nicht mehr! (S. Fischer) PDF Drucken E-Mail
Sonntag, 03. April 2011

Gastbeitrag von Stephan Fischer

Eberswalder Botschaft zum Jahr des Waldes 2011: Man findet den Wald vor lauter Wildnis nicht mehr!

Am 3.10.1990 wurde in Deutschland der Sozialismus zu Grabe getragen. In ganz Deutschland herrscht seit dieser Zeit die Marktwirtschaft, genannt soziale Marktwirtschaft. In ganz Deutschland? Leider nein! Zumindest in einem winzigen Zippelchen der Volkswirtschaft hat sich die geistige Anhängerschaft des Sozialismus eingenistet. Fröhlich wird hier dem sozialistischsten aller Parolen gedient, dem Gemeinwohl!


Was im alten Gallien der Heimatort von Asterix und Obelix war, das ist im marktwirtschaftlich organisierten Deutschland der Wald, genauer der Staatswald (Wald im Eigentum von Bund und Ländern). Auf den ersten Blick verblüffend, entpuppt sich das Objekt Deutscher Romantik und Gegenstand zahlreicher patriotischer Lieder („Oh Vaterland, wie bist Du schön, mit Deinen Saatenfeldern, mit Deinen Tälern, Deinen Höhen, und Deinen stolzen Wäldern!“) als Heimstatt eines Gedankengutes, was man eher in den Schächten des Steinkohlebergbaus erwarten würde.

Was ist los im Deutschen Wald? Ca. 10 Mio. ha Wald werden in den Statistiken der Bundesregierung erfasst, davon gehört etwa die Hälfte (noch) Privatpersonen, der Rest ist bereits staatlicher Besitz. Während jedoch im Mittelalter die Staats-Wälder dem feudalen Jagdvergnügen dienten, wird heute im Staatswald die sogenannte „vorbildliche“ Forstwirtschaft betrieben. Der Unterschied zur sogenannten nur „ordnungsgemäßen“ Forstwirtschaft im Privatwald besteht darin, dass die drei Waldfunktionen (Nutz-, Schutz-, Erholungsfunktion) im Staatswald als gleichrangig verfolgt werden, während man dem Privatwald (noch) das Primat der Nutzung zugesteht.

Das klingt plausibel, und das Nebeneinander von Wald unterschiedlicher Besitzarten sollte ordnungspolitisch gewährleisten, dass mit dem Objekt Wald als Bestandteil unserer Heimat kein Schindluder getrieben wird. Und die Geschichte ist reich an Beispielen, wo Menschen den Wald und damit die gesamte Region zerstört und ihre Lebensgrundlagen gefährdet haben: Das ereignete sich in geschichtlichen Situationen, in den die Gesellschaft lieber Kriegsschiffe bauen ließ. Oder in Situationen, in denen die Allgemeinheit die Gewinnung von Salz durch das Energie aufwändige Verkochen von Salzwasser für besonders wichtig hielt. Nach verlorenen Kriegen wurden Wälder abgeholzt, um dem Sieger Reparation zu leisten. Man darf also zusammenfassen, dass nicht die Privateigentümer von Familien-Forstbetrieben den Wald zerstört haben, sondern die Politik der damaligen Gesellschaft.

Dann kam es zu einem Bewusstseinswandel: Der Nachhaltigkeitsgedanke des Eberswalder Forstphilosophen Pfeil wie auch des großen Forst-Pioniers von Carlowitz begann, sich zu verbreiten: Nutze nicht mehr, als was nachhaltig, das heisst dauerhaft und kontinuierlich, nutzbar ist! Generationen von Forstleuten haben seitdem den Wald vermehrt, gepflegt und –ja – genutzt. Man rechnet heute mit etwa 100.000 Arbeitsplätzen, die direkt, und ca. 1,3 Mio. Arbeitsplätzen, die indirekt mit Waldprodukten gesichert werden. Der Vorrat und der Zuwachs belaufen sich nach Angaben der Bundeswaldinventur auf den höchsten Wert, seit die Aufzeichnung begonnen wurde.

Doch der Zeitgeist bleibt nicht stehen. Nachdem die vernünftigen Forderungen nach Nachhaltigkeit im Wald mit Erfolg erreicht wurden, erschreckte das „Waldsterben“ die Deutschen. Und heute wird in der Gesellschaft der Ruf nach mehr „Biodiversität“, nach mehr „Klimaschutz“, nach mehr „Ökologie“ laut. Und immer öfter wird von Ökö-Bürokraten das „Gemeinwohl“ beschworen, während von Praktikern die bedenklichen gesellschaftlichen Kosten dieser ökö-modernen Forderungen genannt werden. Das Gemeinwohl rechtfertigt alle Kosten?

Besonders im Staatswald folgt man diesem Anliegen, denn der Staatswald soll in erster Linie dem Gemeinwohl dienen: Also werden hier seit Jahren keine Nadelbäume mehr gepflanzt, obwohl die viel schneller wachsen und die Holzindustrie händeringend Nadelholz braucht. Es wird vielfach sozialistisch am Markt vorbei produziert. Zugleich werden riesige, sozialistische Beamtenapparate finanziert, weil – wie man oft hört- „ja nur Beamte oder öffentlich angestellte Förster das Gemeinwohl erfüllen können“. Also werden Unsummen in staatliche Forschungsvorhaben (Waldzustand, Bodenzustand) gesteckt, die teils nebeneinander die gleichen Wälder untersuchen. Mit Ergebnissen, die man teils schon vorher kennt…

Und im Privatwald? Dort erschweren immer strengere gesetzliche Naturschutz-Vorgaben die Wirtschaft. Zurzeit sind die Naturschutzbehörden noch damit beschäftigt, die neuen Schutzgebiete zu erfassen, die sich aus der neuen Flora-Fauna-Habitat (FFH-) Richtlinie ergeben.

Doch schon geistert eine neue sozialistische Forderung nach mehr „Wildnis“ durch die Ministerial-Büros in Berlin und anderswo. Dem möchte ich, in Anlehnung an die weise Inschrift der Alten Preussischen Forstakademie in Eberswalde (Abb.), nur entgegenhalten:

„Den Sozialismus zu pflegen, bringt niemandem Segen!“


Über den Autor:

Stephan Fischer, Jg. 1972, ist Dipl.-Forstwirt, Assessor des Forstdienstes und Dipl.-Kfm. Seit 2002 in Eberswalde als freiberuflicher Forstsachverständiger tätig. Gründer der Internet-Plattform www.Forstprivatisierung.de

 
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