| Die Gefährdung der kapitalgedeckten Altersvorsorge durch Niedrigzinspolitik und Geld- und Kreditschöpfung (N. F. Tofall) |
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Gastbeitrag von Norbert F. Tofall Nachhaltiges Wirtschaftswachstum ist ohne „vorheriges“ Sparen unmöglich. Aus diesem Grund wird das Wirtschaftswachstum durch die kapitalgedeckte Altersvorsorge, die nichts anderes als Sparen ist, gefördert. Gefährdet werden die kapitalgedeckte Altersvorsorge und ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum jedoch erstens durch die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken und zweitens durch die Geld- und Kreditschöpfung der Zentralbanken und Geschäftsbanken. I. Die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken gefährdet die kapitalgedeckte Altersvorsorge Durch die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken wird den Geschäftsbanken nicht nur die vermehrte Kreditvergabe durch erleichtere Refinanzierungsmöglichkeiten bei den Zentralbanken ermöglicht. Die Niedrigzinspolitik ist wie jede andere staatliche Zinspolitik auch ein Eingriff in das Preisgefüge für Sparen und Kredite. Ein Zinssatz, der Sparen und Investieren zur Übereinstimmung bringt, den Geldwert stabil hält und die Volkswirtschaft auf einem Gleichgewichtspfad hält, ist der natürliche Zins. Liegt der Geldzins, also der Zins für Kredite, unter dem natürlichen Zins, dann übersteigt die Investitionstätigkeit die Spartätigkeit, die gesamtwirtschaftliche Nachfrage steigt über die Produktionskapazität und die Volkswirtschaft wird von ihrem Gleichgewichtspfad gedrückt. Zu niedrige relative Preise für Kredite führen dehalb zu einem falschen Produktionsaufbau, also zu strukturellen Fehlentwicklungen und Fehlinvestitionen oder kurz: zu Investitionsblasen. Durch die künstlich niedrigen Zinsen erscheinen auch Investitionen als rentabel, die sich unter dem natürlichen Zins nicht rentieren. Kurzfristig können durch diese Zinspolitik der Zentralbanken durchaus befristet Arbeitsplätze geschaffen oder erhalten werden. Mittel- und langfristig wird sich jedoch herausstellen, daß die „scheinbar rentablen“ Investitionen unrentabel sind. Insolvenzen sind die Folge. Da die Niedrigzinspolitik den gesamtwirtschaftlichen Strom der Güter und Leistungen verzerrt hat, sind Fehlinvestitionen, anschließende Insolvenzen und Kosten für schmerzhafte Anpassungsprozesse in fast allen Branchen wahrscheinlich wie zur Zeit beobachtbar. Da die Kurse für Aktien und die Preise von Immobilien sinken, sind die Formen der kapitalgedeckten Altersvorsorge, die auf diesen Anlageformen beruhen, negativ betroffen. Zudem wirkt sich die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken negativ auf die Erträge der Formen der kapitalgedeckten Altersvorsorge aus, die auf festverzinslichen Wertpapieren o.ä. aufbauen. Der nominale Sparzins kann zwar selbst in Zeiten einer Niedrigzinspolitik aufgrund von Risikozuschlägen und situationsabhängigen Verhältnissen von Angebot- und Nachfrage nach Geld- und Kredit zeitweise steigen oder zeitlich befristet auf einem höheren Niveau verharren; die Erträge dieses Sparens sinken jedoch selbst in dieser Situation relativ im Vergleich zu einer Situation ohne Niedrigzinspolitik. Dieser Eingriff in das Preisgefüge für Geld- und Kredit vermindert die Sparneigung und damit die Nachhaltigkeit des gesamtwirtschaftlichen Wachstums. Fällt der Sparzins durch eine Niedrigzinspolitik mit einer zeitlichen Verzögerung auch nominal, was sehr wahrscheinlich ist, dann fallen auch die nominalen Erträge dieser Sparformen. Insgesamt belastet eine Niedrigzinspolitik der Zentralbanken die kapitalgedeckte Altersvorsorge. Je nach Anlageform ist jedoch ein unterschiedlicher zeitlicher Verlauf dieser negativen Auswirkungen zu unterstellen. II. Die Geld- und Kreditschöpfung der Zentralbanken und der Geschäftsbanken gefährdet die kapitalgedeckte Altersvorsorge Die Erhöhung der Geldmenge nennt man Inflation. Und Kredite, die nicht aus Erspartem bestehen, sondern aus Geldschöpfung, erhöhen die Geldmenge, sind also Inflation. Aus diesem Grund gefährdet die Geld- und Kreditschöpfung der Zentralbanken und der Geschäftsbanken die kapitalgedeckte Altersvorsorge. Denn die Ersparnisse einer Volkswirtschaft werden durch Inflation entwertet. Inflation kann in den Formen der Konsumgüterpreisinflation und der Vermögensgüterpreisinflation (Aktien, Immobilien, Preise für Unternehmen) auftreten. Die sogenannte Immobilienblase in den USA, die durch die Niedrigzinspolitik der FED und anderen staatlichen Krediterleichterungen erzeugt worden ist, war eine typische Vermögensgüterpreisinflation. Diese wurde bis zu ihrem Platzen als nicht problematisch eingestuft, weil den Menschen seit Jahrzehnten eingeredet wird, daß Wirtschaftswachstum nur bei einem stetigen Geldmengenwachstum möglich sei. Sowohl Lord Keynes als auch Milton Friedman irrten diesbezüglich - allerdings in unterschiedlichem Ausmaße, was hier jedoch nicht näher dargestellt werden kann. Wichtig ist jedoch: Im Gegensatz zur Österreichischen Schule der Nationalökonomie wird sowohl vom Keynesianismus als auch vom Monetarismus ignoriert, daß zwischen 1820 und 1913 die Inflation in den USA null Prozent betrug und das in einer Zeit mit enormen Wachstumsraten, was nach Keynes und Friedman eigentlich nicht möglich sein dürfte. Neben der „normalen“ Inflation, die die kapitalgedeckte Altersvorsorge bereits schrittweise entwertet, ist besonders problematisch, daß die staatlich induzierte Vermögenspreisinflation im US-Immobiliensektor das gesamte auf Teilreserve aufgebaute Bank- und Finanzsystem an den Rand des Zusammenbruchs geführt hat. Ob der Zusammenbruch abgewendet werden kann, ist noch offen. Bei einem Systemzusammenbruch des Banken- und Versicherungssektor könnten aber auch die teilweise hintereinander geschalteten und sich überlappenden Sicherungsmechanismen für die betriebliche und private Altersvorsorge die kapitalgedeckte Altersvorsorge nicht retten, weil diese Sicherungsmechanismen nur auf Einzelausfälle ausgelegt sind. Eine Sicherung der kapitalgedeckten Altersvorsorge ist deshalb nur möglich, wenn die Geldmenge begrenzt und den Zentralbanken und den Geschäftsbanken die Möglichkeiten genommen wird, Geld zu schöpfen. Wer die kapitalgedeckte Altersvorsorge fördern und ausbauen will, muß über eine neue Geldordnung ohne Geld- und Kreditschöpfung nachdenken. |




