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Vorschläge für die bessere und effizientere Nutzung natürlicher Ressourcen (Carsten Dethlefs) PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 01. August 2012

Gastbeitrag von Carsten Dethlefs

Gut ein Jahr nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima realisiert die deutsche Politik langsam, in welch ein Abenteuer sie sich mit dem vollständigen Ausstieg aus der Atomenergie gestürzt hat. War es wirklich notwendig? Oder war der Vater des Gedankens nur die Angst der Politiker, die sich bei Wahlen einer von Panik paralysierten Bevölkerung gegenübersahen.

Ökologisch jedenfalls ist der vollständige Aus- und Umstieg auf regenerative Energien fraglich. Wenn die Zahl der Emissionsrechte nämlich gleich groß bleibt und die sinkende Nachfrage nach diesen Rechten den Preis für diese Zertifikate senkt, können andere Staaten viel mehr an schädlichen Stoffen emittieren: „Der Nettoeffekt für Europa und die Welt ist null Komma null, weil die Zertifikate, die die deutschen Betreiber nicht mehr benötigen, auf dem europäischen Markt landen. Sie senken dort den Preis für Zertifikate und veranlassen die anderen europäischen Unternehmen, bei ihren Anstrengungen zur Verminderung der CO2-Emissionen innezuhalten“, schreibt Hans-Werner Sinn in das “Das grüne Paradoxon”. Wenn man sich überlegt, dass Wind und Wetter nicht vor Ländergrenzen halt machen, scheint diese Aktion also noch nicht einmal für Deutschland eine größere Sicherheit zu bringen.

Aber nun ist es, wie es ist: Der Ausstieg ist beschlossen und einige findige Unternehmer finden sogar Gefallen daran, wenn sie beispielsweise Grund und Boden besitzen, auf denen Windräder errichtet werden oder anderweitig Subventionen einstreichen können. Doch nach dem Abklingen der Fukushima-Panik scheint es Teilen der deutschen Bevölkerung auch nicht Recht zu sein, wenn die Atomkraft durch regenerative Energie ersetzt wird, realisiert man doch, dass Leitungen benötigt werden, um die Energie von einem Ort zum anderen zu befördern. Bundesländer wie Schleswig-Holstein wären heutzutage schon fast in der Lage, die Atomkraft durch den frischen Wind an der Küste vollständig zu substituieren. Doch müssen bereits regenerativ erzeugte Strom-Mengen ungenutzt bleiben, weil die Leitungen für deren Transport in den Süden fehlen. Vor diesem Hintergrund befasst sich der vorliegende Beitrag mit Möglichkeiten zur schnelleren und besseren Umsetzung des Leitungsausbaus in der Bundesrepublik.

Wie lassen sich also Leitungen durch die unterschiedlichsten Gebiete der Bundesrepublik errichten, um den natürlichen Schatz des Windes schnell und effektiv zu nutzen? Zunächst ist die Frage zu stellen, ob es sich um geerdete Kabel oder Überland-Leitungen handelt. Die geerdeten Kabel würden sicher eine größere Akzeptanz bei der Bevölkerung finden, wären aber auch gleichzeitig um einiges teurer. Diesen Konflikt könnte man umgehen, indem man die Bevölkerung am Ausbau des Leitungsnetzes wie bei einer Genossenschaft beteiligt, wie es auch bereits bei vielen Windmühlen oder ganzen Windparks geschehen ist. Dieses Modell würde dann die Menschen betreffen, die entlang einer Leitungstrasse wohnen und sich eventuell durch diese gestört fühlen könnten.
Gleiches gilt im Übrigen auch für Unternehmen, die nicht auf den langsamen Entscheidungsgang der Politik warten wollen und in den Startlöchern stehen, um den Netzausbau voranzutreiben. Hier berichtet die Financial Times – dass einige Unternehmen bereits selbst in den Netzausbau eingreifen. Allerdings setzt ein solches Vorgehen dann zumindest die Rückendeckung der Politik voraus.

Die Einbindung der Bürger bei der Umsetzung von Großprojekten und die damit verbundene geringere „Wutbürgerlichkeit“ wird Deutschland auch im Vergleich mit anderen Staaten, die eine hoheitlichere Führungsstruktur besitzen, ökonomisch konkurrenzfähiger machen. Die Demokratie darf niemals als entwicklungshemmend wahrgenommen werden. Hinsichtlich der Löhne und Produktionskosten wird man die Schwellenländer, die bereits als Wettbewerber auf dem Weltmarkt agieren, kaum überholen können, was auch nicht anzustreben ist. In Bezug auf die Investitionsfreudigkeit sollte es aber auf diesem Wege funktionieren. Es kommt noch hinzu, dass Großanlagen nur schwer aus weit entfernten Entwicklungs- und Schwellenländern nach Deutschland transportiert werden können, was die Konkurrenz auf dem Windanlagenmarkt zusätzlich abschwächt.

Ein Problem stellt der weltweite Wettbewerb auch lediglich kurzfristig dar: Langfristig ist ein globaler Wettbewerb als „Entdeckungsverfahren“, wie es Friedrich August von Hayek formuliert, begrüßenswert. Dieser darf nur nicht zu Lasten der Qualität gehen und muss eine gewisse Symmetrie bewahren. Resümierend bleibt also festzustellen, dass niemand daran interessiert sein sollte, der Umwelt zu schaden. Der Weg, um die Umwelt zu schützen, war umstritten und wird es immer bleiben. Momentan stehen die regenerativen Energien als Rezept auf der Agenda. Diese zu fördern, wird ein Gemeinschaftswerk sein, an dem alle mitwirken können und sollen. Dieses kann am besten über eine finanzielle Bürgerbeteiligung erfolgen, wie sie hier geschildert wurde. Denn auf diesem Wege wird das Kapital breit gestreut und das Risiko und der Ertrag in ein vernünftiges Verhältnis gesetzt. Solche Verfahren stärken zugleich die Demokratie und können gegenüber China und anderen autoritär regierten Staaten obsiegen.


Quelle: veröffentlicht auf dem INSM Blog am 11. Mai 2012.

 
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