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Gegen den Geldsozialismus (H. Milz) PDF Drucken E-Mail
Freitag, 04. November 2011

Gastbeitrag von Hubert Milz

Prof. Bagus hat dankenswerter Weise das Opus Magnum von Prof. Huerta de Soto "Geld, Bankkredit und Konjunkturzyklen" ins Deutsche übersetzt. Ein Buch, welches dem deutschsprachigen Leser den heutigen Stand der «österreichischen Schule der Ökonomie» näher bringt und schon deshalb sehr zu empfehlen ist, weil die meisten Bücher zur «österreichischen Schule der Ökonomie» in englischer Sprache erscheinen und im deutschen Sprachraum regelmäßig wenig Beachtung finden.

Prof. Huerta de Soto analysiert auf Basis der Konjunkturtheorie der «österreichischen Schule der Ökonomie» das heutige Bank- und Geldwesen. Dabei wird das heutige staatliche, immaterielle Zwangsgeld mit angeschlossenem Teilreservebankensystem einer fundamentalen Kritik unterzogen. Dabei geht Prof. Huerta de Soto nicht rein ökonomisch vor, sondern die ökonomische Analyse wird flankiert von rechtswissenschaftlichen und historischen Reflexionen.

Der historische Teil beschreibt die Entwicklung zum staatlich privilegiertem Teilreservebankwesen; von der Antike bis zur Gegenwart wird die Entwicklung nachgezeichnet und dabei werden akribisch die regelmäßig auftretenden Verwerfungen und Katastrophen, die ursächlich im Teilreserveprivileg verankert sind, aufgezeigt.

Die rechtswissenschaftlichen Teile knüpfen bei den Regeln der alten römischen Zivilrechtsgelehrten an. Nach diesen Rechtsregeln ist auch ein Girokonto bei einer Bank nicht anders zu sehen als ein Warendepot. Die Waren, die z. B. in einem Weizendepot gelagert sind, darf der Lagerist nicht für eigene Geschäfte nutzen, weil die jederzeitige komplette Verfügungsgewalt über das Weizendepot bei den Deponenten und nicht dem Depoteigentümer liegt. Wenn ein Bauer 10 t Weizen im Depot lagert, so muss der Lagerist zu jeder Zeit dem Bauern 10 t Weizen ausliefern können.

Nicht anders verhält es sich nach diesen Regeln mit einem Girokonto, auch hier muss die Bank jederzeit den Buchwert des Girokontos in bar auszahlen können. Da die Banken im heutigen Teilreservesystem die Giralgelder nur zu einem Bruchteil in Bargeld vorhalten müssen und den Rest z. B. als Kredit verleihen dürfen, sind sie jederzeit insolvent und veruntreuen – gem. jener alten römischen Regeln des Zivilrechts – das Eigentum ihrer Kunden.

Prof. Huerta de Soto zeigt, dass es auch Spitzenjuristen nicht gelungen ist diese gesetzlich privilegierte Untreue rechtslogisch zu legitimieren. Somit können – gem. diesen Rechtsregeln – nur wirkliche Ersparnisse durch die Banken als Kredite vermittelt werden. Kredite gem. Teilreserveprivileg sind Kredite aus dem Nichts – Geldschöpfung ex nihilo!

In der ökonomischen Analyse zeigt Prof. Huerta de Soto auf dem Fundament der „Austrian Business Cycle Theory“, dass diese Kreditgeldschöpfung aus dem Nichts die Ursache ist für die ständigen Konjunkturschwankungen ist. Dabei untermauern die historischen und empirischen Befunde die Richtigkeit der „Austrian Business Cycle Theory“, die für Krisen – wie z. b. die Weltwirtschaftskrise von 1929 oder die sog. Weltfinanzkrise – die korrekte polit-ökonomische Erklärung ist. Weiterhin vermerkt Prof. Huerta de Soto, dass die Zentralbanken – mit deren Hilfe die politische Kaste das Geld und damit die Gesellschaft steuert – alles andere als stabilisierend wirken. Das Instrument der Zentralbank habe zum Sieg der Banking Schule geführt, und damit erst die staatlich protegierte Politik der monetären Sorglosigkeit und der finanziellen Exzesse möglich gemacht. Daneben zeigt Prof. Huerta de Soto, dass die Anmaßungen der Zentralbanken die Geldmenge steuern zu können und den Zins festzulegen genau das umfasst, was Friedrich August von Hayek als «Anmaßung von Wissen» zeichnete. Preiskontrollen funktionieren nicht, auch nicht die Kontrolle des wichtigsten Preises, dem Zins als Preis für das Geld. Die Geld- und Zinspolitik der staatlichen Zentralbanken ist nichts anderes als Geldsozialismus; und auch beim Geldsozialismus ist wie bei jedem Sozialismus eine Wirtschaftsrechnung – genau wie Ludwig von Mises dies schon 1920 nachwies – unmöglich und kann auf lange Sicht nicht funktionieren. Die vorherrschenden Geldlehren der Keynesianer und Monetaristen, welche die sozialistische Geldordnung via Zentralbank präferieren, entlarvt Prof. Huerta de Soto als falsch.

Zum Schluss des Buches bietet Prof. Huerta de Soto einen Reformvorschlag an, um zu einer Geldordnung zu kommen, welche einer spontanen Ordnung wie der Marktwirtschaft entspricht. Dieser Fünf-Stufen-Plan hat nach meinem Empfinden ohne Zweifel Charme, doch m. E. wird dieser Plan ohne Chancen sein, weil die politische Kaste nie und nimmer das Geld- und Währungsmonopol freiwillig aus der Hand geben wird.

Quelle: Die Besprechung ist zuerst auf Buchausgabe.de erschienen.

 
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