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Liberalismus und Utopismus ... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: mvp   
Sonntag, 15. November 2009

... so lautet der Titel des anregenden Hayek-Seminars in Eisenach, das mit Blick auf und von der Wartburg für alle Beteiligten neue Erkenntnisse und Einsichten bot. Aufgrund des Facettenreichtums der Gespräche und der interdisziplinären Betrachtungen lässt sich keine summarische Formel prägen. Deutlich wurde aber, dass Utopien rationalistisch-szientistische Reißbrettentwürfe sind, die Knappheit und Konflikte ignorieren, in sich widersprüchlich sind und zugleich eine romantische Anziehungskraft besitzen. Utopien verwenden einen Familientopos als Baustein. Ungeklärt bleibt in der Regel, wer die Utopie-Werte verwaltet und was mit Abweichlern geschieht. Zugleich degenerieren Menschen in einer utopischen Welt, die durch Statik gekennzeichnet ist, wenn sie nicht ohnehin geknechtet werden, wie Ayn Rand in ihrer Dystopie „Hymne“ entlarvend aufzeigt.

Trotz ihrer Wirksamkeit bleibt für liberale Utopien kein Raum. Eine Ausnahme bildet vielleicht Robert Nozicks Minimalstaatsentwurf „Anarchy, State and Utopia“, das zweitbedeutendste Buch der politischen Philosophie im angelsächsischen Raum. Anarchie ist keine Option, auch nicht als Anarchokapitalismus. Zugleich wurden soziale respektive sozialistische Utopien (ausgerechnet) durch die liberale Ordnung Realität; das gilt insbesondere für den heute erreichten massenwirksamen Wohlstand, darunter Kleidung, Nahrung, Wohnung, Mobilität und Freizeit.

Eine Ursache liegt in der Dynamik des Liberalismus, wodurch er sich zugleich von überkommenen Utopien unterscheidet. Ersterer ist eine emergente Ordnung, letztere sind Systeme – bezeichnenderweise bedeutet System im Altgriechischen auch Gestell, zusammengestellt, verstellt.  Das hindert viele Intellektuelle nicht daran, Utopien zu zuneigen. Das gilt nicht für die Teilnehmer des Wissenschaftskreises der Friedrich August von Hayek-Gesellschaft, die auf einem Stadtrundgang in einem der bedeutendsten Villenviertel Deutschlands die Vitalität des vergangenen bürgerlichen Zeitalters erspüren konnten.

 
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