| Telefonrevolution |
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Mit einer gewissen Erheiterung haben wir dieser Tage eine Bestandsaufnahme des - irreführender Weise als Mobilfunkmarkt bezeichneten - planwirtschaftlich bereitgestellten Angebots mobiler Telefonie in Kuba notiert.
Bereits seit April 2008 darf in Kuba auch die nicht herrschende Klasse ein Mobiltelefon besitzen. Dies war bis dahin ein Privileg hochrangiger Regierungsmitarbeiter und von kapitalistischen Ausländern, die als Devisenkühe willkommen geheißen und gemolken wurden. Gemeinsam mit der Legalisierung von Geschlechtsumwandlungen im Juni 2008 handelt es sich um eine der großen Neuerungen des bei salonbolschewistischen Kollektiveigentumsverfechtern beliebten Inselstaates. Die Zuteilung eines Telefons erfolgt nur gegen „Peso convertible“, einer durch Tausch gegen US Dollar erhältlichen Zweitwährung. Das günstigste Telefon kostet umgerechnet 58 US Dollar, das entspricht dem 3,4 fachen eines durchschnittlichen Monatsgehalts. Der Käufer erhält hierfür ein Nokia 1112, also ein Modell aus dem Jahr 2006. Zum Vergleich: Dieses Telefon kostet bei Ebay.de inklusive Versandkosten 76.- Euro – , also nur ein dreißigstel des Durchschnittseinkommens in der Bundesrepublik. In Indien ist das Modell für 20 USD und damit einem Zehntel eines dortigen durchschnittlichen Monatsgehalts erhältlich, allerdings nicht für die vom Freihandel ausgeschlossenen Kubaner. In den meisten „Industriestaaten“ liegt die Mobiltelefonpenetration über 100%, das heißt es gibt mehr Telefone als Einwohner... Kurzum die kubanische Nokia Zuteilung ist ein Musterbeispiel für „Planwirtschaft @ work“. Der geneigte Kubaner nutzt die Geräte übrigens mitnichten zum Telefonieren, die Gebühren sind nämlich ähnlich horrend wie der Kaufpreis, sondern zum „Pagen“. Man lässt es kurz klingeln und der Angerufene ruft dann aus einer Telefonzelle zurück. Unsere Empehlung für die Kubaner lautet daher: Handyklingelmorsecode entwickeln! Einmal klingeln, dann eine Minute Pause und wieder einmal klingeln heißt dann beispielsweise: Schatz, komme später, muss zu Fuß gehen, Auto ist stehen geblieben, es gibt mal wieder kein Benzin. Oder besser: Telefonrevolution und hasta la vista Fidel! Florian Stronk |




