| Ein Handelsbilanzdefizit spielt keine Rolle |
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| Sonntag, 18. Oktober 2009 |
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Eine Minute Ordnungspolitik von Michael von Prollius Hartnäckig hält sich indessen die Mär vom gefährlichen Handelsbilanzdefizit. Mit Blick auf die USA wird deshalb ständig der Untergang des Abendlandes beschworen. Dabei sind die USA die größte Wirtschaftsnation der Welt mit einem BIP von rund 14 Billionen US-Dollar, d.h. sie produzieren weltweit die meisten Güter und Dienstleistungen. Darüber hinaus könnten sie sich für den Titel „Importweltmeister“ qualifizieren und sogar noch für einen weiteren Titel. Das Handelsbilanzdefizit, also der stärkere Import von Dienstleistungen und Gütern, ist allerdings eine weitgehend sinnlose Größe. Darauf weist Donald Boudreaux immer wieder hin. Die Leistungsbilanz ergibt zusammen mit der Kapitalbilanz nämlich immer „Null“! Ein Leistungsbilanzdefizit entspricht stets automatisch einem Kapitalbilanzüberschuss. Das heißt nichts anderes als: Vermögenswerte sind für das Ausland besonders attraktiv. Statt der Investitionen starrt die (Medien-)Welt aber nur auf das Defizit. Tatsächlich kommt das Geld des Leistungsbilanzsdefizits aber „immer“ wieder zurück, und zwar als Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen sowie eben nach Vermögenswerten. Die ausländischen Investitionen, die sich in der Kapitalbilanz niederschlagen, haben noch einen weiteren bedeutsamen Nutzen: Sie steigern die Produktivität – zum Nutzen aller. Produktivitätssteigerung sind ein zentraler Treiber unseres Wohlstands und des viel beschworenen Wachstums. Vergleichen Sie die Lebenssituation von heute mit der Zeit vor 100 Jahren. Was würde ein Mensch aus dem Jahr 1900 heute besonders schätzen, wenn er bei der Familie Quandt, Albrecht oder Oettker, beim Bundespräsidenten oder einem Mitglied der Regierung zu Hause zu Besuch wäre? Vermutlich ein Badezimmer mit fließendem warmen Wasser und Toilette, vielleicht Fernsehen, Auto und Kühlschrank. Die normale Bevölkerung hatte dazu vor 100 Jahren in der Regel keinen Zugang, heute besteht der Unterschied im Besitz nur in der Qualität und Größe der Güter. Möglich ist das durch Produktivitätssteigerungen und Freihandel. Es drängt sich die Frage auf, welchen positiven wirtschaftlichen Sinn, welchen Nutzen Grenzen für den Freihandel überhaupt haben. Überhaupt keinen! Ob ich meine Tauschhandlung mit jemandem im Inland oder Ausland durchführe, ist für die Handelsbilanz bedeutsam, aber nicht für mich oder meinen Tauschpartner. Und der Vorteil der regionalen Fertigung und des regionalen Kaufs („Buy local!“) ist lediglich ein weiterer Trugschluss. Denn der Verzicht auf bessere Qualität und/ oder einen niedrigeren Preis ausländischer Güter hilft niemandem. Die schlechtere Qualität schadet dem Käufer und der erlittene Kapitalverlust - durch regionalen Kauf anstelle des besseren und preiswerteren auswärtigen Produkts - schadet offenkundig gerade der regionalen Wirtschaft. Schließlich ist das gesamte Geld nun an falscher Stelle regional verschwendet worden. Allein das sogenannte doppelte Defizit von Handelsbilanz und Staatsverschuldung ist eine latente Gefahr. Das liegt aber an den mit der Staatsverschuldung von allein im Haushatsjahr 2009 1,2 Billionen US-Dollar oder 10 Prozent des BIP verbundenen Problemen. |




