| Natürlicher Zins |
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| Montag, 14. April 2008 |
"Eine Minute Ordnungspolitik" von Michael von Prollius
Eine in vielen Köpfen fest verankerte Auffassung lautet: Die Zentralbank setzt den Leitzins fest. Schließlich ist die Zentralbank nicht nur in Europa tatsächlich für die Geld- und Währungspolitik zuständige Institution. Und ein zentrales Steuerungselement der Geldpolitik ist nun einmal der Leitzins, der entscheidend Einfluss auf Refinanzierungskonditionen (= Geldbeschaffungskosten) der Geschäftsbanken nimmt. Außerdem müsse doch eine hoheitliche Institution für Preisniveaustabilität sorgen. Zudem lasse sich auf diese Weise antizyklisch eine überhitzte Konjunktur durch Erhöhung der Zinsen abkühlen und eine schwächelnde Wirtschaft mittels gesenkter Zinsen ankurbeln. Die Höhe des Zinses bestimmt sich in einer Marktwirtschaft nach Angebot und Nachfrage. Nur, warum ist dies bei Geld nicht der Fall? Hier gibt es eine Zentralplanbehörde, deren Experten insbesondere den Geld- und Kreditmarkt beobachten und dann entscheiden. Noch drängender wird diese Frage, wenn man die Lehre der Österreichischen Schule der Nationalökonomie beachtet. Aus ihrer folgenreichen Sicht ist der Zins (oder Zinssatz) der Marktpreis der gegenwärtigen Güter in Abhängigkeit der zukünftigen Güter. Demnach fließen im Zins die unterschiedlichen zeitlichen Präferenzen aller Marktteilnehmer zusammen – Menschen schätzen gegenwärtige Güter höher als zukünftige Güter, aber mit unterschiedlicher Intensität. Anbieter/ Verkäufer gegenwärtiger Güter sind hier Sparer/ Kapitalisten; sie verzichten auf unmittelbaren Konsum zu Gunsten eines größeren Werts in der Zukunft. Bei Nachfragern/ Käufern verhält es sich umgekehrt. Der Markt, auf dem sich der Zinssatz bildet, besteht aus der gesamten Produktionsstruktur der Gesellschaft! Bemerkenswerter Weise tendiert der Wertunterschied zwischen gegenwärtigen und zukünftigen Gütern dazu, exakt dem Zinssatz zu entsprechen. Der Kreditmarkt mit Zinsen für Darlehen ist also nur ein relativ unbedeutender Teilmarkt, der vom allgemeinen Markt abhängt. Ein solcher natürlicher Zins ist Ausdruck der Konsumentenpräferenzen über alle Produktionsstufen im Zeitablauf hinweg. Er gibt, wenn er sich natürlich bilden kann, das Verhältnis von kurzfristiger Konsumneigung, Sparen und Investitionsbereitschaft wieder, das heißt er koordiniert Konsum, Sparen und Produktion. Ein hoher Zinssatz signalisiert beispielsweise, dass die Ersparnis knapp ist. In dieser Perspektive kann ein Sinken des Zinssatzes eine Veränderung der Konsumpräferenzen im Zeitablauf darstellen: Die Verteilung der Ressourcen, weg vom aktuellen Verbrauch hin zu Investitionen und von relativ späten zu relativ frühen Produktionsstufen bedeutet eine zeitlich begrenzte Verschiebung des Verbrauchs. Abgesehen von technischem Fortschritt ist genau dies das Wesen von echtem Wirtschaftswachstum. Im Gegensatz dazu würde eine Reduzierung des Zinssatzes durch die Zentralbank lediglich eine Kreditschaffung bedeuten. In diesem Fall wäre die Steuerung der Ressourcenverteilung nicht Ursache, sondern allenfalls Teil staatlicher Geldpolitik. Ein natürlicher Zins kann sich also nur bilden, wenn dieser nicht - durch eine Zentralbank - manipuliert wird. |




