Gerechte Löhne PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 20. Dezember 2007

"Eine Minute Ordnungspolitik" von Michael von Prollius

Löhne sind für freie Menschen der Preis, der für eine Arbeit von Arbeitgeber und Arbeitnehmer vertraglich vereinbart wird. Das Ergebnis der Vereinbarung kann gut oder schlecht sein, aber nicht gerecht. Nur menschliches Handeln kann gerecht oder ungerecht sein. Maßstab dafür sind Regeln gerechten Verhaltens, aber nicht Einzelfallergebnisse – die anders lautende, derzeit vorherrschende Meinung ist ein Kategorienfehler. Der Preis ist Ausdruck der Präferenz von Menschen und somit eine Wahl der Freiheit.

Für Menschen, die die Freiheit gering schätzen, gibt es „gerechte Löhne“. Diese sollen erklärtermaßen einen zwar nicht klar definierbaren, aber angenehmen Lebensunterhalt ermöglichen. Darunter werden zumeist übliche Lebenskosten für Wohnung, Ernährung, Kleidung aber auch Freizeitaktivitäten verstanden. Der Anspruch, was für ein angenehmes, zuweilen auch als menschenwürdig bezeichnetes Leben erforderlich ist, variiert per se erheblich.

„Gerechte Löhne“ sind losgelöst von der tatsächlich geleisteten Arbeit. Dies gilt nicht nur für das große oder geringe individuelle Engagement bei der Aufgabenerfüllung, sondern auch für den Wert, den diejenigen Menschen, die diese Arbeit nachfragen und bezahlen müssen, dafür bereit sind, zu bezahlen.

Eine staatliche Festlegung eines so genannten „gerechten Lohnes“ ist natürlich möglich, hat aber Folgen. Anhänger dieses für freie Menschen populistischen Unterfangens sollten sich keinen Illusionen hingeben: Erstens machen sie sich persönlich abhängig von den (willkürlichen) Entscheidungen weniger Politiker und Interessenvertreter und schlagen dafür die millionenfachen anders gerichteten Interessen ihrer Mitmenschen in den Wind. Zudem werden sie in dem Moment, in dem sie arbeitslos werden, für die oben genannten Populisten uninteressant. Zweitens verbergen sich hinter dem Schleier wohltätiger Absichten von Politikern und Interessenvertretern nichts anderes als Ziele des Machterhalts. Schließlich hat es drittens „gerechte Löhne“ nur dort gegeben, wo Gerechtigkeit mit (Verteilungs-)Gleichheit identisch sein sollte, die herrschende Klasse natürlich ausgenommen. Dies zeigen die Gerechtigkeitssysteme von Honecker, Stalin und Mao.

 
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