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Zitat des Monats Mai 2012

Wir wollen ein künftiges Europa doch nicht etwa als einen zentralistischen Staat aufbauen, sondern wir wollen … ein föderatives, möglichst reich gegliedertes Europa, in dem die einzelnen Länder und, wenn sie wollen, die Stämme, ich brauche ja nur mein eigenes Vaterland anzusehen – noch hinreichend Gelegenheit haben, ein ihren Vorstellungen entsprechendes Eigenleben zu führen, ohne dass damit die Geschlossenheit und Einheitlichkeit des Gemeinsamen Marktes oder auch der politischen Kraft Schaden leiden müsste.

Ludwig Erhard: Planification – kein Modell für Europa, Rede vor dem Europäischen Parlament in Strassburg, 20. November 1962.

 
Krisen und Krisendiskurse
Geschrieben von: mvp   
Donnerstag, 17. Mai 2012

Krisen gehören zum Alltag. Allerdings ist es schwer, Krisen und Alltag abzugrenzen, weil Alltag oder Normalität kein statischer Zustand ist. Zudem mangelt es regelmäßig an einem präzisen Verständnis, was Normalität ausmacht und vor allem wie sie zu erklären ist. Krisen bedürfen also einer Normalitätstheorie. Insofern haben wir es bei den großen aktuellen Krisen, vom Arabischen Frühling über die Banken- und Staatsschuldenkrise bis zur Gesellschaftskrisis der Gegenwart, nicht allein mit den viel beklagten Unzulänglichkeiten der Krisendiagnose zu tun. Es mangelt vielmehr an einer überzeugenden Beschreibung der Normalität.

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Ordnungspolitik und EEG
Samstag, 12. Mai 2012

Gastbeitrag von Horst Steinmetz

Ordnungspolitik ist der von der sogenannten Freiburger Schule mit Walter Euken als ihrem bekanntestem Vertreter formulierte „Ordnungsrahmen“ für volkswirtschaftliches Denken und Handeln. Ordnungspolitik war in den Anfängen der Bundesrepublik bis etwa 1969 der Leitfaden für die Wirtschaftspolitik, die Linie, an der entlang Wirtschaftspolitik in dieser Zeit entwickelt wurde. Unbestritten eine Zeit auffallender Erfolge deutscher Wirtschaftspolitik, die zuerst das Ausland und dann auch die deutsche Bevölkerung vom Wirtschaftswunder sprechen ließ. Erhard, der politische Gestalter dieser Politik nannte sie „Soziale Marktwirtschaft“. Nach 1969 gab es einen Bruch in der deutschen Wirtschaftspolitik. Ich will versuchen die Parteien soweit als möglich aus dem Spiel zu lassen. Mir geht es um die Darstellung der Folgen der Veränderung und um die Suche nach den Ursachen und nach Wegen zur Besserung.

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Das wohlfahrtsstaatliche Menschenbild – vom eigenständigen Bürger zum schutzwürdigen Verbraucher
Geschrieben von: mvp   
Mittwoch, 09. Mai 2012

Individuum und Masse, das ist das große abendländische Thema. José Ortega y Gasset hat ihm 1930 mit seinem epochalen Werk „Der Aufstand der Massen“ ein Denkmal gesetzt. Die neoliberalen Gründerväter der Bundesrepublik Wilhelm Röpke und Alexander Rüstow sahen die moderne Vermassung des Menschen als gravierende Bedrohung an. Nationalismus, Sozialismus und Nationalsozialismus haben die Massen geformt und missbraucht. Mit dem demokratischen Wohlfahrtsstaat droht das Spannungsfeld zwischen Individuum und Kollektiv erneut aus den Fugen zu geraten.

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Freiheit in Deutschland – eine historische Erklärung
Geschrieben von: mvp   
Donnerstag, 03. Mai 2012

Roland Vaubel, Professor für Politische Ökonomie in Mannheim, hat in einem lesenswerten Artikel in ORDO 2010 den Versuch unternommen, „das schwierige Verhältnis der Deutschen zur Freiheit mit ihren historischen Erfahrungen und den geographischen Gegebenheiten zu erklären“.

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Never change a running system ... griechische Finanzen
Geschrieben von: mvp   
Montag, 30. April 2012

"Die griechischen Finanzen befanden sich stets in einem bedenklichen Chaos, dessen Ordnung nie gelungen ist und das 1893 durch die wiederholten Kriegsrüstungen, durch die Beteiligung an den kretischen Aufständen, durch übertriebene Ausgaben für die Marine und die Unfähigkeit der meisten Finanzminister zum Staatsbankrott führte. Nachdem die Staatsschuld auf 598 Mill. Drachmen in Gold und 152 Mill. Drachmen in Papier gestiegen war, setzte die Regierung mehrere Jahre lang in willkürlicher Weise die Zinsen der auswärtigen Anleihen auf ein Drittel des ursprünglichen Betrags herab. Als die Finanzen infolge des unglücklichen Krieges mit der Türkei 1897 sich noch mehr verschlechterten, wurde dem Finanzminister eine aus je einem Vertreter der sechs europäischen Großmächte bestehende internationale Finanzkontrolle mit dem Sitz in Athen beigegeben. Das Schuldarrangement vom 26. Febr. 1898 überweist als Garantie für den Dienst der äußern Schuld folgende Staatseinkünfte: die Monopoleinnahmen (aus Salz, Petroleum, Streichhölzern, Spielkarten, Zigarettenpapier und Narosschmirgel) mit einem jährlichen Mindestetat von 12,300,000 Drachmen, Tabaksteuer mit 6,600,000 Drachmen, Stempelsteuer mit 10 Mill. Drachmen, zusammen 28,900,000 Drachmen. Falls dieser Betrag nicht erzielt wird, sind zur Aushilfe noch die Piräuszölle, deren Jahresetat auf durchschnittlich 10,700,000 Drachmen angesetzt ist, verpfändet. Der Zinsendienst ist wie folgt festgesetzt …
Seit Einführung der Kontrolle ist eine Besserung der Finanzen zu bemerken. …"

Quelle: Meyers Lexikon von 1909 (Dank an CvP)

 
Das fatale Einheitsdenken in der EU
Geschrieben von: mvp   
Montag, 30. April 2012

Alfred Schüller, Herausgeber von ORDO und Emeritus für Ordnungstheorie und Wirtschaftspolitik der Universität Marburg, hat eine überzeugende Lehre aus den Selbsttäuschungen und Fehlschlägen des Europa-Zentralismus seit der Europäischen Montan- und Agrarunion gezogen, die den Beginn des EU-Einheitsirrwegs markiert. Seinen Leitgedanken sollten sich Befürworter eines europäischen Einheitsstaates immer wieder zu Gemüte führe: „Es ist noch nie gelungen, mit schlechter Ökonomie eine gute Politik zu machen. Noch so gut gemeintes Wollen kann mangelndes Denken in Ordnungen nicht kompensieren.“

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